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Der grosse Walserweg

(Grande Sentiero Walser)

(4. Etappe)

Von Thusis bis Mittelberg (28.06.-05.07.2003)

 

2. Tag, So. 29.06.2003

Sonne und warm.

Nach einem guten Frühstück fuhr uns der Wirt vom Hotel Lengmatta mit seinem VW-Bus bis zur Talstation der Schatzalpbahn in Davos-Dorf (1.560m). Mit dieser Bahn fuhren wir dann hinauf bis zur Schatzalpe (1.861m). Die Bahn erinnerte mich an Norwegen, da der Bahntyp der gleiche ist, wie die Fløien-Bahn in Bergen. Von der Schatzalpe wanderten wir dann bis zum Strelapass (2.355m) wo wir eine ausgedehnte Pause machten. Auf der kleinen Anhöhe am Pass hatte man eine wunderbare Aussicht in Richtung Sapün. Auf den Strelapass führt auch eine Mountain-Bike Strecke. Man kann dann vom Strelapass durch einige Tunnels, die in den Fels gehauen sind weiter bis auf die Weißfluh (2.844m) fahren. An der Weißfluh ist auch das weltweite Forschungsinstitut für Lawinen.
Vom Pass ging es für uns aber nicht der Mountain-Bike Strecke entlang, sondern wir machten uns auf den Weg in Richtung Sapün und Langwies. In der gemütlichen Hütte „Heimeli“ (1.830m) im Sapün machten wir Mittag. Das Haus ist immer noch ganzjährig bewohnt und überhaupt wohnen im Sapün noch 4 Familien das ganze Jahr.

Ein schöner Pfad, immer wieder an schönen alten Weidställen und Häusern vorbei, führte uns bis nach Langwies (1.377m). Im Gasthof Post, in der Nähe vom Dorfbrunnen, bekamen wir unser Quartier. In diesem Haus fand ich einen Ausdruck von einer Sage aus Langwies.

Eine Volkssage vom Amman Mattli aus Langwies:
In den Küpfen oberhalb Langwies hatte ein Langwieser, ein armer Mann, eine Bergwiese und wollte dort ein Haus bauen. Wie er nun mit seinen Söhnen an der Arbeit war, das Fundament zu graben, kam ein „fahrender Schüler“ zu ihnen heran und sprach zum Vater, er solle den Jüngeren der beiden Söhne beim Graben in die Mitte stellen, es werde ihn nicht gereuen.
Der Vater folgte der Weisung und es war noch nicht Abend, als sie auf eine Goldader stießen. Waren sie nun durch das Gold, dem sie nachgrabten und ausbeuteten, aller Armut fürderhin enthoben, bauten sie doch ihr Haus fertig.
Im Jahre 1878 gehörte dieses Haus einem Manne namens Peter Heim. Mag man zu diesem Hause hingehen, zu welcher Zeit es ist, so findet man an einer Stelle, wo die Mauer auf der Goldader ruht, immer nassen, warmen Grund im Sommer besonders. Im Winter steigt dort meistens aus dem Schnee ein blaues Räuchlein empor; im Frühjahr ist es dort am ehesten „aaber“ (schneefrei), im Herbst am längsten grün.

Da ich ja auch mit Nachnamen Heim heiße, machte mich das jetzt sehr neugierig. Ich besichtigte dann die nette kleine Kirche von Langwies und sah mich ein wenig auf dem Friedhof um. Dort fand ich dann noch zwei Gräber auf denen zumindest im Doppelnamen der Name Heim vorkommt (Camenisch-Heim). Auch der untere Teil vom Kirchturm von Langwies kam mir ähnlich wie bei uns daheim in Mittelberg vor und ich fühlte mich hier richtig „heimisch“. Der Name Heim taucht auf, der Kirchturm erinnert mich an Mittelberg und verschiedene Flurnamen kann ich auf der Karte entdecken die es auch bei mir daheim gibt (u.a. Tschuggen).

Nach dem Abendessen, als unsere Gruppe noch gemütlich „haengerte“ (beisammen saß), kam plötzlich ein alter Walser (Jahrgang 1939) zu uns an den Tisch und freute sich dass Walser aus einem anderen Walser Gebiet da waren. Mit Nachnamen hieß er Mattli, den Vornamen habe ich leider vergessen, aber es war ein sehr interessanter Mensch der uns sehr viel aus dem Leben der Langwieser und den umliegenden Dörfern erzählen konnte.

Er erzählte uns, dass Langwies mal über 600 Einwohner hatte (inzwischen um die 300) und sehr viele Ende des 19. Jahrhunderts wegen Überbevölkerung nach Amerika auswanderten. Da er früher in Langwies Zivilrechtsbeamter (bei uns wohl so etwas wie Standesamt/Meldeamt) war konnte er Ihnen mit der Ahnenforschung helfen.

Er meinte dass die „Jungen“ auch nicht mehr den Walser Dialekt sprechen, sondern sich alle das „Churer-Düütsch“ angewöhnen.

Ich habe ihn dann noch ein wenig über die Alp- u. Landwirtschaft ausgefragt. Die Langwieser hatten früher 8 Alpen, welche heute zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen wurden. Eine der Alpen ist eine Sennalpe und der Rest sind Galtalpen. Mattli selber hat noch 16 Stück Vieh. Er meint dass die Langwieser im Durchschnitt so 12 Milchkühe haben.

Außerdem erfuhr ich von ihm, dass es inzwischen keine Familie Heim mehr hier gibt. Es gab vor ca. 200 Jahren 2 Familien mit Namen Heim, welche im Sapün wohnten. Inzwischen sind Sie aber in der männlichen Linie ausgestorben.

Es wurde ein richtig gemütlicher Abend und die Stunden vergingen wie im Flug.

Anstieg 494 m (mit Bahn 795m), Abstieg 978m.

Sapün:

Das Dörflein Sapün (1725 m) bei Langwies im Schanfigg ist im 13. bis 14. Jh. von der Walserkolonie Davos über den Strelapass besiedelt worden und zählte noch bis um die letzte Jahrhundertwende etwa 30 Haushaltungen.  Die meisten Häuser werden von den Bauern im Schanfigg als Maiensässe benutzt: mit dem Vieh bleiben sie bis Mitte oder Ende Januar in Sapün, bis sie das Bergheu verfüttert haben, dann ziehen sie hinunter ins Tal. Im Winter ist Sapün nur zu Fuß erreichbar. Im Hintergrund von Sapün liegt die Chüpfenflue. Heute leben noch 4 Familien ganzjährig in Sapün.

Langwies – eine Walsersiedlung:

Die Einwanderungen erfolgten im 12., 13. und 14. Jahrhundert, mehrheitlich von Davos über den Strelapass ins Sapün, über den Casannapass ins Fondei und über die Maienfelder Furka nach Arosa.

 

Alternative Wanderrouten:

Von Davos-Frauenkirch – über die Maienfelder Furka nach Arosa und evtl. noch weiter nach Langwies. (Davos Frauenkirch – Stafel – Maienfelder Furka – Isel – Untersee – Arosa).

Es gibt aber auch noch einige andere Übergänge wie z.B. das Schwii-Fürggele, die man von Davos nach Arosa bzw. Langwies nutzen kann!

Wanderkarte: Schweizer Landeskarte 1 : 50 000, Blatt 248 - Prättigau.

Links:

Davos

Berghaus Stafelalp

Berggasthaus Heimeli

Langwies

Arosa

Schanfigg

Heimatmuseum Schanfigg

 

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