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Der grosse Walserweg

(Grande Sentiero Walser)

(3. Etappe)

Von Airolo bis Thusis (07.07.-13.07.2002)

 

4. Tag, Mi. 10.07.
Etwas Sonne, bedeckt und etwas Regen. 
Heute war ein Ausruhtag angesagt. Alfons und ich hatten uns noch überlegt über den hochalpinen Übergang Fuorcola da Patnaul nach Vals zu gehen, da die Wetteraussichten nicht allzu rosig waren blieben wir bei der Gruppe. Zunächst ging es in die Ortschaft Vrin, wo wir die Kirche mit dem Beinhaus und die schönen alten Häuser ansahen. Die alten Holzhäuser erinnern mich an die Walser, doch in der Gegend um Vrin wird rätoromanisch gesprochen. Im Buch "Walser Volkstum" von Paul Zinsli wird diese Gegend allerdings als Walser Siedlungsraum, der heute romanisiert ist, bezeichnet. Dann ging es absteigend über den Glogn Rhin. Auf und Ab wechselten ständig. Es ging durch Surin und Silgin. Dort machten wir Pause und Margreth besichtigte die kleine Kapelle und rief mich plötzlich zu sich. In dieser Kapelle verbarg sich ein wertvolles Meisterstück, "L`Orgla da Silgin". Im Frühjahr 1999 wurden infolge der Restaurierungsarbeiten an der Kapelle St. Sebastian ein fast koplettes Gehäuse einer dreiregistrigen Orgel in Kastenform gefunden werden. Die Einwohner von Silgin erwähnten zudem, dass sich eine "Kiste mit Löchern" in einem Stall in Silgin befinden solle. Nachforschungen von Architekt Bruno Indergand führten dann zum Fund der kompletten Windlade. Der Orgelbauer Arno Caluori, Says, hat dann die Windlade fotografiert sowie Massaufnahmen der Gehäuseteile auf dem Estrich der Kapelle gemacht. Die Einzelteile konnten eindeutig ihrer ursprünglichen Position zugeordnet werden. Die Orgelfragmente in Silgin gehören zu einer dreiregistrigen Orgel auf 4`-Basis. Die Windlade mit Mechanik war fast vollständig, das Gehäuse zu etwa 90 % erhalten. Für die Rekonstruktion der fehlenden Teile gab es sehr gute Anhaltspunkte. Auf Grund der Übereinstimmung mit anderen Instrumenten wird davon ausgegangen, dass die Orgel von Gion Flurin Coray aus Laax stammt. Die Bauzeit dürfte um 1840 herum liegen. Jetzt kommt aber, das besondere. Die neurestaurierte Orgel wurde am Sonntag, den 14. Juli eingeweiht. Da die "Mesmerin" gerade am Mittag läuten war, durfte ich als einer der ersten auf dieser netten Orgel spielen !  Über Suracasti erreichten wir Uors am Valser Rhin, 932m. Kaum standen wir in Uors an der Bushaltestelle, begann auch schon der Regen. Das nennt man Timing ! Da es nach Vals keinen Wanderweg gibt, fuhren wir mit dem Postbus nach Vals. Beim "Dorfmetzg" im Hotel Alpina hatten wir unser Quartier reserviert. Der Besitzer kennt das Kleinwalsertal gut! Im Valsertal machte ich noch einen ausgiebigen Ortsrundgang. Leider hatte das Museum nicht offen. Dafür hatten wir beim Abendessen Glück. Es überraschte uns Alfred Rieder, der jahrelang in Vals Schulleiter und Gemeindepräsident (Bürgermeister) war. Ausserdem ist er Vizepräsident von der Graubündner Walservereinigung. Er hat uns viel über die Geschichte des Valsertales und vor allem einige Anekdoten aus seiner Jugendzeit erzählt. Überraschend war für mich die Ähnlichkeit seines Dialektes mit unserem Dialekt im Kleinwalsertal. Es wurde mir wieder mal der folgende Satz von Paul Zinsli in "Walser Volkstum" bewusst:  "Das, was schließlich als verbindendes Kennzeichen bleiben kann, ist die altüberlieferte, eigenartige walserdeutsche Mundart, die noch heute- mehr oder weniger ausgeprägt - über den ganzen Kolonistenraum hin erklingt."
Zeit: 4-5 Stunden, á200 Hm., â500 Hm.

Valsertal: Der Name stammt vom lateinisch-romanischen vallis "Tal" und hat nichts mit den Walsern zu tun. Der Name bestand schon vor den Walser Einwanderern. Durch das Valsertal und über den Valserberg sind bereits die Römer gegangen. Die Walser kamen wahrscheinlich seit der Wende des 13./14. Jahrhunderts von ihren Niederlassungen im Quellgebiet des Hinterrheins über den Valserberg in das Tal. Zunächst entstand vermutlich der Ort Zervreila, der heute unter dem Stausee begraben liegt. Danach trieb es die landhungrigen Walser talabwärts bis nach St. Martin. Der politische Mittelpunkt entstand mit der Zeit in Vals-Platz. Alfred Rieder hat erzählt, dass die Valser Walser noch weiter talabwärts gezogen seien, dass in einer alten Urkunde aber zu finden ist, dass sich die rätoromanische Bevölkerung um Ilanz bei ihrem Schutzherrn über die Walser Invasion beschwert hat und er den "Walsern von den wilden Höhinnen" Einhalt geboten hat. Im Buch "Heimat der Walser" von Dr. Karl Fritz können wir noch folgendes über das Valsertal lesen: "Während das Lungnetztal dem Wanderer noch manche landschaftliche Reize bietet, ist das längere Valsertal mehr wild und rauh. Da kommt der Liebhaber tiefer und enger Talschluchten besser auf seine Rechnung. Mit schroffer Steilheit siehst du da die Berghalden beiderseits emporsteigen, dass man sich wundern muss, wie menschlicher Fleiß da noch Wohnungen hinaufzuzaubern vermag. Hier hat der Volksmund den Witz geprägt: "Da muß man die Kinder vor dem Hause anbinden, muß den "Schiitschtock" (Scheitstock) befestigen, ja selbst den Hühnern Steigeisen anlegen, damit sie nicht allesamt "vertroolen" (abstürzen). 
Im Valsertal ist im Gegensatz zu den meisten umliegenden Orten die Bevölkerung großteils katholisch. Dazu gibt es auch eine Sage. Als es darum ging, ob die Bevölkerung reformatorisch oder katholisch wird, gab es eine Abstimmung und kam zu einer Pattstellung. Guter Rat war teuer, doch plötzlich erinnerten sie sich, dass der Ziegenhirte noch nicht von der Weide zurückgekehrt war. Die Entscheidung traf dann der Ziegenhirte und die Bevölkerung blieb katholisch.
In der Kirche war natürlich wie in den meisten Walser Kirchen der Schutzpatron der Walser der heilige Theodul zu finden !
Bekannt aus dem Tal ist vor allem das Valser Wasser (Mineralquelle) und die Valser Therme.

Alternative Wanderroute:
Hochalpiner Übergang von San Guisep über die Fourcula da Patnaul nach Vals.

Karten: Schweizer Landeskarten 1:50 000, Blatt 256 - Disentis; Blatt 257 - Safiental
Karte Vals 1:25 000

Adressen:
Val Lumnezia
Vals
Valser Therme
Valser Wasser

Heimatmuseum in Vals
"Gandahus".

weiter zum 5. Tag, Do. 11.07.

Fortsetzung die nächsten Tage !