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Walserweg Vorarlberg

Walserweg Graubünden

DER GROSSE WALSERWEG

(Grande Sentiero Walser)

Diese Seite wurde privat von Stefan Heim erstellt. Da ich in Mittelberg/Kleinwalsertal wohne und aus einer alten Walser Familie stamme, liegt mir der Walserweg sehr am Herzen. Die Seite soll allen Interessierten die Walser, bzw. die Wege die die alten Walser gelaufen sind ein wenig näher bringen und verschiedene Informationen weitergeben. Für die Richtigkeit der Angaben kann ich nicht garantieren. Außerdem kann ich keine Unterkunftsmöglichkeiten vermitteln. Wenden Sie sich bitte an die örtlichen Touristenbüros. Wer mehr über mich erfahren möchte kann dies auf meiner privaten Homepage.

Vor 1000 Jahren besiedelten Stammesangehörige eines germanischen Volkes Gebiete im Oberwallis. Man nannte sie Walliser. Ihre Erfahrung als Hochgebirgssiedler ermöglichte ihnen später die Gründung immer neuer Kolonien in zuvor nicht oder kaum genutzten Gebirgslagen. Auch ihr Wille, den Hof stets ungeteilt einem einzigen Geschwister zu übergeben, zwang viele der folgenden Generationen zum Auswandern. Ob südlich des Monte Rosa, in Tessiner Tälern, in Graubünden, im Vorarlberg oder Tirol - stets ließen sich die nunmehr Walser genannten Bauern ihre Siedlerrechte von Feudalherren und Klöstern durch vererbbare Lehensverträge bestätigen.
"Der Grosse Walserweg" ist nicht durchwegs die Migrationsrichtung der Walser. Die Wanderroute verbindet vielmehr Stätten der Walserkultur. Mancherorts lassen sich Walsereigenarten - weit entfernt von der Urheimat - an Siedlungsformen, Hausbau, landwirtschaftlicher Bebauung, Menschenschlag und an der deutschen Oberwallisersprache ausmachen.

von Roland Baumgartner, Redaktor der SVZ-Revue geschrieben im Buch "Der grosse Walserweg - Il grande sentiero Walser" (Schweizerische Verkehrszentrale, Hrsg. 1989)

Die gesamte Route des grossen Walserweges führt von Zermatt bis nach Mittelberg/Kleinwalsertal oder umgekehrt. Die einzelnen Streckenabschnitte kann man auch beliebig etwas variieren. Persönlich laufe ich jedes Jahr ca. 1 Woche Abschnitte des Walserweges.

Neu: Im April 2013 erscheint im Tyrolia Verlag der Wanderführer "Walserweg Vorarlberg"!
Die offizielle Vorstellung des Buches wird beim
Festakt "700 Jahre Walser in Vorarlberg", Kirchentag und Generalversammlung am 9. Juni 2013 in Damüls erfolgen.

Programm:

So., 9.6.2013 10:00h Festgottesdienst
    11:00h Agape vor der Pfarrkirche
    11:30h 46. Generalversammlung der Vorarlberger Walservereinigung
    14:00h Festakt mit Buchvorstellungen „Walserweg Vorarlberg“ und „Walserspuren“
Präsentation der Sonderbriefmarke "700 Jahre Walser"
Änderungen vorbehalten

 


Literatur zum Walserweg:
"Der grosse Walserweg - Il grande sentiero Walser" (Schweizerische Verkehrszentrale, Hrsg. 1989)
"Der grosse Walserweg - Wandern auf alten Saumpfaden über alpine Pässe", Bernhard Irlinger
"Unterwegs auf Walser Pfaden - Ein Wanderbuch", Kurt Wanner, 1989
"Geschichte der Walser", Enrico Rizzi, 1993
"Walser Volkstum - In der Schweiz, in Vorarlberg, Liechtenstein und Piemont", Paul Zinsli, 1986
"Walser - Geschichten vom Leben zwischen den Bergen", Peter Donatsch
"Der Grosse Walserweg, Mittelberg/Kleinwalsertal - Zermatt", Gert Trego, 1993
"Das Walser Wanderbuch", Max Waibel, 2004
"Unterwegs zu den Walsern", Max Waibel, 2003

Einige dieser Bücher sind leider vergriffen!

 

 

Verdammt hart, diese Roderei -
Roden, immer roden ...
Und dann geht`s uns
wie den Alten im Pomatt:
Lawinen, Steine, Wasser
und wieder Lawinen, Steine, ...
Alles ist wieder kaputt - Haus, Siedlung, Dorf
Und eines Tages hängt`s einem aus -

dann werde ich mit meiner Familie weiterziehen.

Silja Walter, Das Walserschiff

Die Sonne ist längst untergegangen an diesem heiteren Tag. Der letzte, zartrosa Schimmer auf den frisch verschneiten Berggipfeln ist nur noch zu ahnen. Die Dunkelheit greift mit ihren Fingern aus dem Tal herauf langsam nach dem hellen Licht im Westen und vereinigt sich am Himmel mit der Nacht aus dem Osten.

Ein Mann tritt vor sein Haus. Das dunkelbraun gebrannte Holz ist bereits mit dem Schatten des Berges verschmolzen. Jakob geht mit sicheren Schritten. Er findet den Weg auch in der Dunkelheit, seit Jahren geht er ihn täglich morgens und abends. Tag und Nacht. Es ist der Weg des Bauern zu seinem Stall. Diesmal aber hat er ein anderes Ziel. Jakob geht hinab zum Bach, der auf der Höhe des Dorfes eine scharfe Biegung macht und so dem Dorf seinen Namen gegeben hat: Cherbäch.

Eine Gestalt löst sich aus dem Dunkel: Jakobs Bruder Hubert. Lange stehen sie schweigend und graben mit den Schuhspitzen kleine Löcher in den kaum noch erkennbaren Kies am Rand des Baches. Dann endlich sagt einer: "Es sollen schon wieder sechzehn Leute über den Gries nach Moraschg gekommen sein." "Bald werden sie bei uns stehen", meint der andere. Schweigen. "Mit dem zweiten Emd war es wieder nichts", sinniert der eine. "Nächste Woche schlachte ich die Kuh", flucht sein Bruder leise. "Ich halte das nicht mehr aus", bricht es aus dem anderen hervor, "Jahr für Jahr jeden Herbst eine Kuh weniger." Wieder legt sich Stille zwischen die beiden Männer am Bach. "Ich sehe nur eine Möglichkeit ...", beginnt nach einer Weile der eine zögernd, und der andere ergänzt leise: "Man müsste wohl weit gehen, denn rundherum sind die Dörfer schon bevölkert, die Wiesen und Weidegründe besetzt." "Irgendwie, irgendwo, irgendwann", murmelt der Bach.

"Einen Versuch wär`s wert", sagt plötzlich einer der beiden Männer mit sicherer Stimme. "Schlechter wird das Land dort wohl auch nicht sein." "Es ist besser", hat der Händler gesagt, der gestern hier war, fügte der Bruder hinzu. "Die feinen Herren suchen scheints Leute für ihr Land innerhalb der hohen Furren." "Zins?" "Wenig!"

Dann schweigen sie wieder. Und wissen, was sie tun werden.

Jakob kehrt durch die Nacht zu seinem Haus zurück, neben sich die vertrauten Schritte des Bruders. Er fühlt plötzlich eine ungeheure Kraft in seinem Innersten wachsen. Zunächst unbestimmt, nicht lokalisierbar, aber mächtig, fordernd, zwingend. Ein Gefühl der Unverwundbarkeit, aus einer Quelle unerschöpflicher Energie durchströmt zuerst Arme und Beine, dann den ganzen Körper. Die Müdigkeit von harter Tagesarbeit im Wald ist verschwunden, die Füsse schmerzen nicht mehr und der von schweren Lasten gebeugte Rücken richtet sich auf.

Er blickt zu den Berggipfeln hinauf, wo der letzte Widerschein der Sonne dem kalten Blau des reflektierten Mondlichtes gewichen ist. Die Berge scheinen ihm plötzlich niedrig geworden zu sein, Hügel bloss, mit einigen wenigen Schritten zu überwinden. Es scheint ihm, als brauche er bloss die Hand auszustrecken, um am höchsten Punkt in den Schnee greifen zu können, sich etwas aufzurichten, um hinabzuschauen in das nächste Tal - wo bereits wieder die warme Sonne des nächsten Tages auf sattgrüne Wiesen, sprudelnde Bäche und reife Ährenfelder scheint. Bis zu den Knien ständen seine Kühe im frischen Grün und unter der Sense fiele das Gras wie von selbst.

An diesem Abend sagen im Bergdorf Cherbäch, auf 1728 Metern über Meer zwei Männer zu ihren Frauen um die gleiche Zeit dasselbe:        

"Gehen wir."

 

aus "Walser - Geschichten vom Leben zwischen den Bergen" Peter Donatsch (Hrsg.), Verlag Bündner Monatsblatt, 1994

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