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Aus "Kleinwalsertaler Geist" von Kaiserl. Rat Engelbert Keßler (1933):

Ein Jäger in früheren Zeiten war bekannt, daß er alles schonungslos abschoss.
Ein Hirschegger (Dokus ) meinte dann zu dieser Raubschießerei:
"Wänn d Wättertätsch Haar hätta, gääbs scho lang keine mee".

Der Ausdruck "Hännabutz" bedeutet Vogelscheuche und wurde auch zu einer
unordentlich gekleideten Person gesagt. Wenn man eine Derartige sah dann
sagte man:
"Dia schöö Schniiderarbed hanged am Liib, wia an ara schälba Holzleischta".

Als das 16-jährige Rupertele aus Hirschegg bei einer Reiserast (er war nach
dem Weltkireg nach San Franzisko ausgewandert) in Wien durch die Straßen
spazierte und viele Leute mit ihren vierbeinigen Mitläufern (Hunde) sah,
meinte er: "Hand d Wianerlüüt chei Chend?"

Zu einer überaus sparsamen, ja richtig gesagt, geizigen Frau sagte einer:
"Du, Ludvikele, du hesches guat! Du muascht ned schterba - du schtreckscht
di bloos, vo luutr Giiz.

Zwischen den Walsern, den Allgäuern und Bregenzerwäldern wurde immer schon freundschaftlich gespottet.
Ein Büblein aus dem Bregenzerwald kam mit seinem Vater über den Hörnlepaß das erstemal ins Kleinwalsertal und sie sahen den Mond im ersten Viertel. Da sagte der Vater zum Sohn:
"Lua Jockele, lua, d' Walser müssa arme Lüüt see, di hand ned amal an ganza
Moona".

Der Jagdaufseher Hansa-Seff aus Mittelberg traf auf dem Gemstelpaß Bekannte aus München. Sie überredeten ihn, mit auf den Widderstein zu gehen und sich ins Gipfelbuch einzutragen. Er tat dies mit folgenden Worten:
"Jagdaufseher Hansa-Seff, zum 3000. mal hobba gsee, abr zelld haanes ned."

Das alte "Titusle" liegt im Sterben und am Bett stehen seine Angehörigen. Er kommt noch einmal zum Bewußtsein, erkennt die kritische Lage und meint dann:
"Bitte hammrs ned oogära daß i mit dem Schterba so oogschickt dua, abr i
haas no nia doo!"

Michla Schniidr ist auf einer Alpe und in der Hütte ist kein Christus. Er schnitzt sich selbst einen aus Erlenholz, aber den Besuchern gefällt dieser nicht sonderlich. Sie schicken daher einen Kenner, den Martin, hinauf auf
die Alpe. Der schaut das "Kunstwerk" so rundherum an und meint dann:
"Na ja, miar hand önscha Herrgott zwar au nia gsee, - abr i mein, es ischt müügle, daß r so uusgluaged hed".

Die 72-jährige Sophiekathrina, eine schaffensfreudige und trotz herber Schicksalsschläge immer lebensfrohe Frau ist in der Nähe der Kirche. Der Kaplan trifft sie und meint, ob sie zur wöchentlichen Beichte gehe. Sie
erwiderte ihm aber lächelnd:
"Nei, hüüt gang i id Wirtschaft, in "Engel" gi tanza. des ischt miar doch liabr, as wia allig gi bätta ond biichta goo"!

Über Vor- und Nachteiliges der Walser schrieb Engelbert Keßler:

Demut, Nächsten- und Feindesliebe kommen aus der Kirche, Wissen und Benehmen aus der Schule,
Heim, Pfeiffe, Zigarren und Schafkopfen aus dem Kaufladen, Akoholduft und Schwachsinn aus dem Dunkel der Fässer und "Im Alter wachsen der Geiz und die Nägel".


Aus "Sagen, Schwänke und Streiche" von Dr. Karl Reiser, München (anno 1894)


Ein Walser, der nach Kempten sollte aber gehört hatte, daß es von Rubi aus viel näher sei, ging am Vorabend deshalb nach Rubi. Auf die Nacht kehrte er wieder zurück und sagte beim Zubettgehen mit großer Befriedigung: "So, jetzt han i für moora an guata Fürhüpfl gmached!"

Zwei Mittelbergerinnen machen eine Reise nach Einsiedeln und übernachten unterwegs in einem Bauernhause. Morgens früh wollte eine zum Wetter schauen und machte die Fenster auf. Weil aber die Läden zu waren, rief sie: "Potz taused, der Hemmel voll Brätter!"


Eines jungen Walsers erste Bekehrung
(Eine wahre Begebenheit)

"Ma mauß alleg tua, wias dr Bruuch ischt" galt den früheren Walsern als Lebensregel. Zu deutsch gesagt: jederzeit dem herkömmlisch gepflogenen Sitten- und Brauchtum nachleben, war auch in der alteingesessenen Familie K. ein dutzendmal schon gepredigter Grundsatz. Über den tieferen Sinn oder deren Nutzanwendungmachte sich der einzige Sprößling Ludwig kein sonderlisches Kopfzerbrechen. Ihm genügte die Sorglosigkeit seiner Jugendjahre. So erreichte er unbekümmert die "Tausendwochengrenze", als in ihm immer mehr Gedanken aufstiegen, die wir jugendliche Liebe nennen.
Seine geheime Wahl unter den "Maika" des Dorfes schrumpfte nach Monaten schließlich auf zwei zusammen. Die eine, Resl, war die schaffensfreudige Tochter eines wohlhabenden Bauern, die andere, Kathl, verfügte weniger über die vorhin genannten Eigenschaften, dafür schien sie schöner, lustiger und mit neumodischen Umgangsformen besser vertrat.
Woche um Woche verging und noch hatte sich keine rechte Möglichkeit geboten, an die beiden zunächst Auserkorenen heranzupirschen. Niemandem verriet er seine geheimsten Absichten, um ja keine Gegenspieler herauszufordern. So mußte schließlich jener Brauchtumsweg beschritten werde, den bereits seine ahnen in zünftig-ehrenhafter Art in punkto Liebes-werbung einschlagen.
Leicht erklärlich, daß er diese Lehre nicht aus Vaters Mund erfahren konnte und wollte, trat er nun vertraulicher an den bedeutend älteren Knecht des Nachbarn heran, der ihm die Freuden und Nöten "rund ums Kammerfenster"
beibrachte. Lichtmeß, Spielmannstag, Funkensonntag, Ostermontag usw. meinte dieser, wären die geeignetsten "Lostage". Der jugendliche Ludwig entschied sich nun bevorzugt für die lustige Kathi und, da diese ausgerechnet des Pfarrers leibliche Schwester und daher nicht auf dem Tanzboden anzutreffen war, als Termin den Lichtmeßtag.
Fiebernd wartete Ludwig an diesem schicksaldünkenden Abend im Schatten der Friedhofmauer ab, bis der Herr Pfarrer endlich seine Petroleumlampe losch und noch eine lange Stunde dazu. Endlich konnte er klopfenden Herzens um die Schopfwand des Pfarrhofes bis unter das sagenhafte Kammerfenster der Kathl
im oberen Stock heranschleichen.
Nach mehrmaligem leisen Klopfen am Fensterladen begann unser Anfänger mutig mit der dutzendmal eingelernten "Fernsterle.Melodie", die ihm des Nachbars Knecht eingedrillt hatte: "Jüngferle, mach mal auf und hab Erbarmen mit meinem fürchterlichen Durst ... usw.
Diesen Schwanengesang wiederholte er immer wieder, bald im hellen "verkehrten" Fistelton, bald mit der Baßstimme eines "gstandenen" Jünglings. Gott sei Dank flunkerte nach nochmaligem Klopfen am Fenstergesims auch tatsächlich ein Kerzenlichtlein im Zimmer der ersehnten Kathl auf und freundestrahlend erwartete Ludwig das erste Gläschen vom köstlichen Eigenbrau. Da klirrte an der gleichen unteren Hauswand ein derb
aufgestoßener Fensterschieber und der Pfarrer knallte in der todernsten Meinung, Einbrecher seien am Werk, einen Pistolenschuß in die lautlose Lichtmeßnacht hinaus.
Wir möchten uns das Entsetzen ausmalen, das alle drei, den Ludwig, die Kathl und den Pfarrer in verschiedenen Variationen ergriffen haben mag. Unser angehender Liebeswerber fand überraschend schnell - ohne den "mündigen" Erfolg abzuwarten - den Heimweg.
Am anderen Morgen schilderte der Herr Pfarrer seinem dienstbaren Küchengeist im Kanzelton de entsetzliche Gefahr, die ihnen um die mitternächtliche Geisterstunde gedroht habe und die er druch brüderlichen Schutz noch
glücklich abwenden konnte. Etwas verdutzt sah der Pfarrer aus Kathls Gesicht, daß diese die nächtliche Ruhestörung gar nicht so drastisch auffaßte.
Nach der hl. Werktagsmesse ließ der noch immer bestürzte Pfarrherr den Kirchenpfleger zu sich rufen, um seine Ansicht über diese Moritat zu hören. Dem bejahrten Kirchenpfleger aber ging, wie man sagt, bald ein Lichtlein auf und witzig schmunzelnd meinte er: ein solcher abwechselnder Anruf sei wohl das hier seit Menschengedenken übliche harmlose "Schprach-verkeera", verbunden mit Schnapsbetteln gewesen, das seiner lebensfrohen Schwester Kathl gegolten habe.
"Ach wie schade, daß mir solches Brauchtum im Walsertal unbekannt blieb und ich den unüberlegten Schuß abgefeuert habe, anstatt diese Annäherung genauer abzuhorhcen!" sprach sichtlich beruhigend der Herr Pfarrer und erzählte diese Schaudermähr keinem Menschen mehr.

Und die Nutzanwendung aus der lebenswahren Geschichte:
Der wohlbestallte Pfarrer mischte sich künftig nie mehr in die intimere Seite althergebrachten Brauchtums, der Ludwig bekehrte sich nun doch leichter zu der altmodischen Resl und führte sie genau fünf Jahre später in
großem Hochzeitszug zum Traualtar.
Nur die modernere Kathl hatte das große Nachsehen aus dem "feuerlichen Mißverständnis" jener sternenklaren Maria Lichtmeßnacht 1903.

Anmerkung des Chronisten anno 1999:
Pfarrer in Hirschegg war Josef Anton Schäfer aus Eichenberg. Die Hochzeit anno 1908 muß gewesen sein: Ludwig Riezler, Schuhmacher aus Riezlern Nr. 6 und Therese Schönberger, gebürtig aus der Oberpfalz.

Ein sonderbares Weihnachtsgeshenk

Vor 150 Jahren war es, als noch ausschließlich Lederhosen getragen wurden. Da trieb geheime Liebeswerbung zwei stattliche Brüder aus Riezlern zur gleichen, wohlsituierten Jungfrau nach Hirschegg. Den Vorsprung hatte der jünger L.K., eine äußerst robuste Natur, während dem älteren D.K. eine kluge Wesensart eigen war.
Eines Tages machte Letzterer sein Bruderherz auf die nächtlichen handgreiflichen Gefahren aufmerksam, die bekanntlich von der Burschenschaft einer anderen Ortschaft drohten.
L erklärte strickt, daß ihn kein Teufel aufzuhalten vermöge, was ihm D. mit einer Wettschaft quittierte.
Als sich nun am folgenden Sonntagabend L. im besten Gewande auf den Weg anschickte, schlich D. gleichzeitig aus dem Elternhaus und eilte bis zu einer ausgedachten Stelle im Zwerwald voraus. Hinter dem dortigen Tannenzaun am schmalen Sträßlein lauerte D. auf den Wettling und entriß ihm mit Katzengeschwindigkeit und unerkannt den Latz seiner Lederhose. Ein Mädchenbesuch in diesem Aufzug war damit an diesem Abend unmöglich.
D. lag schon bereits wieder schlafend im Bett, als der k.o. geschlagene Bruder L. nicht wenig fluchend heimkehrte. Den unerkannten Missetäter wünschte er in den Boden stampfen zu können. D. verriet schlauerweise keinen Ton und bald kam Weihnachten.
Auf dem Geschenktisch wurde ein auf einem Holzteller aufgenagelter Hosenlatz präsentiert.

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