Ein Jäger in früheren Zeiten war bekannt, daß er alles schonungslos abschoss.
Ein Hirschegger (Dokus ) meinte dann zu dieser Raubschießerei:
"Wänn d Wättertätsch Haar hätta, gääbs scho lang keine mee".
Der Ausdruck "Hännabutz" bedeutet Vogelscheuche und wurde auch zu
einer
unordentlich gekleideten Person gesagt. Wenn man eine Derartige sah dann
sagte man:
"Dia schöö Schniiderarbed hanged am Liib, wia an ara schälba
Holzleischta".
Als das 16-jährige Rupertele aus Hirschegg bei einer Reiserast (er war nach
dem Weltkireg nach San Franzisko ausgewandert) in Wien durch die Straßen
spazierte und viele Leute mit ihren vierbeinigen Mitläufern (Hunde) sah,
meinte er: "Hand d Wianerlüüt chei Chend?"
Zu einer überaus sparsamen, ja richtig gesagt, geizigen Frau sagte einer:
"Du, Ludvikele, du hesches guat! Du muascht ned schterba - du schtreckscht
di bloos, vo luutr Giiz.
Zwischen den Walsern, den Allgäuern und Bregenzerwäldern wurde immer schon
freundschaftlich gespottet.
Ein Büblein aus dem Bregenzerwald kam mit seinem Vater über den Hörnlepaß
das erstemal ins Kleinwalsertal und sie sahen den Mond im ersten Viertel. Da
sagte der Vater zum Sohn:
"Lua Jockele, lua, d' Walser müssa arme Lüüt see, di hand ned amal an
ganza
Moona".
Der Jagdaufseher Hansa-Seff aus Mittelberg traf auf dem Gemstelpaß Bekannte aus
München. Sie überredeten ihn, mit auf den Widderstein zu gehen und sich ins
Gipfelbuch einzutragen. Er tat dies mit folgenden Worten:
"Jagdaufseher Hansa-Seff, zum 3000. mal hobba gsee, abr zelld haanes ned."
Das alte "Titusle" liegt im Sterben und am Bett stehen seine
Angehörigen. Er kommt noch einmal zum Bewußtsein, erkennt die kritische Lage
und meint dann:
"Bitte hammrs ned oogära daß i mit dem Schterba so oogschickt dua, abr i
haas no nia doo!"
Michla Schniidr ist auf einer Alpe und in der Hütte ist kein Christus. Er
schnitzt sich selbst einen aus Erlenholz, aber den Besuchern gefällt dieser
nicht sonderlich. Sie schicken daher einen Kenner, den Martin, hinauf auf
die Alpe. Der schaut das "Kunstwerk" so rundherum an und meint dann:
"Na ja, miar hand önscha Herrgott zwar au nia gsee, - abr i mein, es ischt
müügle, daß r so uusgluaged hed".
Die 72-jährige Sophiekathrina, eine schaffensfreudige und trotz herber
Schicksalsschläge immer lebensfrohe Frau ist in der Nähe der Kirche. Der
Kaplan trifft sie und meint, ob sie zur wöchentlichen Beichte gehe. Sie
erwiderte ihm aber lächelnd:
"Nei, hüüt gang i id Wirtschaft, in "Engel" gi tanza. des ischt
miar doch liabr, as wia allig gi bätta ond biichta goo"!
Über Vor- und Nachteiliges der Walser schrieb Engelbert Keßler:
Demut, Nächsten- und Feindesliebe kommen aus der Kirche, Wissen und Benehmen
aus der Schule,
Heim, Pfeiffe, Zigarren und Schafkopfen aus dem Kaufladen, Akoholduft und
Schwachsinn aus dem Dunkel der Fässer und "Im Alter wachsen der Geiz und
die Nägel".
Ein Walser, der nach Kempten sollte aber gehört hatte, daß es von Rubi aus
viel näher sei, ging am Vorabend deshalb nach Rubi. Auf die Nacht kehrte er
wieder zurück und sagte beim Zubettgehen mit großer Befriedigung: "So,
jetzt han i für moora an guata Fürhüpfl gmached!"
Zwei Mittelbergerinnen machen eine Reise nach Einsiedeln und übernachten
unterwegs in einem Bauernhause. Morgens früh wollte eine zum Wetter schauen und
machte die Fenster auf. Weil aber die Läden zu waren, rief sie: "Potz
taused, der Hemmel voll Brätter!"
Eines jungen Walsers erste Bekehrung
(Eine wahre Begebenheit)
"Ma mauß alleg tua, wias dr Bruuch ischt" galt den früheren Walsern
als Lebensregel. Zu deutsch gesagt: jederzeit dem herkömmlisch gepflogenen
Sitten- und Brauchtum nachleben, war auch in der alteingesessenen Familie K. ein
dutzendmal schon gepredigter Grundsatz. Über den tieferen Sinn oder deren
Nutzanwendungmachte sich der einzige Sprößling Ludwig kein sonderlisches
Kopfzerbrechen. Ihm genügte die Sorglosigkeit seiner Jugendjahre. So erreichte
er unbekümmert die "Tausendwochengrenze", als in ihm immer mehr
Gedanken aufstiegen, die wir jugendliche Liebe nennen.
Seine geheime Wahl unter den "Maika" des Dorfes schrumpfte nach
Monaten schließlich auf zwei zusammen. Die eine, Resl, war die
schaffensfreudige Tochter eines wohlhabenden Bauern, die andere, Kathl,
verfügte weniger über die vorhin genannten Eigenschaften, dafür schien sie
schöner, lustiger und mit neumodischen Umgangsformen besser vertrat.
Woche um Woche verging und noch hatte sich keine rechte Möglichkeit geboten, an
die beiden zunächst Auserkorenen heranzupirschen. Niemandem verriet er seine
geheimsten Absichten, um ja keine Gegenspieler herauszufordern. So mußte
schließlich jener Brauchtumsweg beschritten werde, den bereits seine ahnen in
zünftig-ehrenhafter Art in punkto Liebes-werbung einschlagen.
Leicht erklärlich, daß er diese Lehre nicht aus Vaters Mund erfahren konnte
und wollte, trat er nun vertraulicher an den bedeutend älteren Knecht des
Nachbarn heran, der ihm die Freuden und Nöten "rund ums
Kammerfenster"
beibrachte. Lichtmeß, Spielmannstag, Funkensonntag, Ostermontag usw. meinte
dieser, wären die geeignetsten "Lostage". Der jugendliche Ludwig
entschied sich nun bevorzugt für die lustige Kathi und, da diese ausgerechnet
des Pfarrers leibliche Schwester und daher nicht auf dem Tanzboden anzutreffen
war, als Termin den Lichtmeßtag.
Fiebernd wartete Ludwig an diesem schicksaldünkenden Abend im Schatten der
Friedhofmauer ab, bis der Herr Pfarrer endlich seine Petroleumlampe losch und
noch eine lange Stunde dazu. Endlich konnte er klopfenden Herzens um die
Schopfwand des Pfarrhofes bis unter das sagenhafte Kammerfenster der Kathl
im oberen Stock heranschleichen.
Nach mehrmaligem leisen Klopfen am Fensterladen begann unser Anfänger mutig mit
der dutzendmal eingelernten "Fernsterle.Melodie", die ihm des Nachbars
Knecht eingedrillt hatte: "Jüngferle, mach mal auf und hab Erbarmen mit
meinem fürchterlichen Durst ... usw.
Diesen Schwanengesang wiederholte er immer wieder, bald im hellen
"verkehrten" Fistelton, bald mit der Baßstimme eines "gstandenen"
Jünglings. Gott sei Dank flunkerte nach nochmaligem Klopfen am Fenstergesims
auch tatsächlich ein Kerzenlichtlein im Zimmer der ersehnten Kathl auf und
freundestrahlend erwartete Ludwig das erste Gläschen vom köstlichen Eigenbrau.
Da klirrte an der gleichen unteren Hauswand ein derb
aufgestoßener Fensterschieber und der Pfarrer knallte in der todernsten
Meinung, Einbrecher seien am Werk, einen Pistolenschuß in die lautlose
Lichtmeßnacht hinaus.
Wir möchten uns das Entsetzen ausmalen, das alle drei, den Ludwig, die Kathl
und den Pfarrer in verschiedenen Variationen ergriffen haben mag. Unser
angehender Liebeswerber fand überraschend schnell - ohne den
"mündigen" Erfolg abzuwarten - den Heimweg.
Am anderen Morgen schilderte der Herr Pfarrer seinem dienstbaren Küchengeist im
Kanzelton de entsetzliche Gefahr, die ihnen um die mitternächtliche
Geisterstunde gedroht habe und die er druch brüderlichen Schutz noch
glücklich abwenden konnte. Etwas verdutzt sah der Pfarrer aus Kathls Gesicht,
daß diese die nächtliche Ruhestörung gar nicht so drastisch auffaßte.
Nach der hl. Werktagsmesse ließ der noch immer bestürzte Pfarrherr den
Kirchenpfleger zu sich rufen, um seine Ansicht über diese Moritat zu hören.
Dem bejahrten Kirchenpfleger aber ging, wie man sagt, bald ein Lichtlein auf und
witzig schmunzelnd meinte er: ein solcher abwechselnder Anruf sei wohl das hier
seit Menschengedenken übliche harmlose "Schprach-verkeera", verbunden
mit Schnapsbetteln gewesen, das seiner lebensfrohen Schwester Kathl gegolten
habe.
"Ach wie schade, daß mir solches Brauchtum im Walsertal unbekannt blieb
und ich den unüberlegten Schuß abgefeuert habe, anstatt diese Annäherung
genauer abzuhorhcen!" sprach sichtlich beruhigend der Herr Pfarrer und
erzählte diese Schaudermähr keinem Menschen mehr.
Und die Nutzanwendung aus der lebenswahren Geschichte:
Der wohlbestallte Pfarrer mischte sich künftig nie mehr in die intimere Seite
althergebrachten Brauchtums, der Ludwig bekehrte sich nun doch leichter zu der
altmodischen Resl und führte sie genau fünf Jahre später in
großem Hochzeitszug zum Traualtar.
Nur die modernere Kathl hatte das große Nachsehen aus dem "feuerlichen
Mißverständnis" jener sternenklaren Maria Lichtmeßnacht 1903.
Anmerkung des Chronisten anno 1999:
Pfarrer in Hirschegg war Josef Anton Schäfer aus Eichenberg. Die Hochzeit anno
1908 muß gewesen sein: Ludwig Riezler, Schuhmacher aus Riezlern Nr. 6 und
Therese Schönberger, gebürtig aus der Oberpfalz.
Ein sonderbares Weihnachtsgeshenk
Vor 150 Jahren war es, als noch ausschließlich Lederhosen getragen wurden. Da
trieb geheime Liebeswerbung zwei stattliche Brüder aus Riezlern zur gleichen,
wohlsituierten Jungfrau nach Hirschegg. Den Vorsprung hatte der jünger L.K.,
eine äußerst robuste Natur, während dem älteren D.K. eine kluge Wesensart
eigen war.
Eines Tages machte Letzterer sein Bruderherz auf die nächtlichen
handgreiflichen Gefahren aufmerksam, die bekanntlich von der Burschenschaft
einer anderen Ortschaft drohten.
L erklärte strickt, daß ihn kein Teufel aufzuhalten vermöge, was ihm D. mit
einer Wettschaft quittierte.
Als sich nun am folgenden Sonntagabend L. im besten Gewande auf den Weg
anschickte, schlich D. gleichzeitig aus dem Elternhaus und eilte bis zu einer
ausgedachten Stelle im Zwerwald voraus. Hinter dem dortigen Tannenzaun am
schmalen Sträßlein lauerte D. auf den Wettling und entriß ihm mit
Katzengeschwindigkeit und unerkannt den Latz seiner Lederhose. Ein
Mädchenbesuch in diesem Aufzug war damit an diesem Abend unmöglich.
D. lag schon bereits wieder schlafend im Bett, als der k.o. geschlagene Bruder
L. nicht wenig fluchend heimkehrte. Den unerkannten Missetäter wünschte er in
den Boden stampfen zu können. D. verriet schlauerweise keinen Ton und bald kam
Weihnachten.
Auf dem Geschenktisch wurde ein auf einem Holzteller aufgenagelter Hosenlatz
präsentiert.