Widdersteinlauf
2003. Wie jedes Jahr eine Herausforderung. Ich stehe um 7 Uhr auf. War zwar
schon eine Weile wach und habe nur auf das Abgehen des Weckers gewartet. Ich
wollte aber nicht aufstehen, denn was soll ich so lange in der Früh machen. Der
erste Blick wie üblich aus dem Fenster. Bedeckt, aber trocken. Sieht schon mal
nicht schlecht aus. Dann war erst mal gemütlich frühstücken angesagt. Heute
war ich in der Früh irgendwie nervös.
Um
8 Uhr schau ich mal ein wenig raus. Ich höre einen Hirsch in bester
Brunftmanier gar nicht weit weg röhren. Der war im Gemstelboden, höchstens um
die 300 Meter entfernt. Dann treffe ich Susi, Daniela und Andrea. Sie gehen ein
Stück hoch um uns anzufeuern. Der Tag beginnt auf jeden Fall schon mal sehr
gut.
Ich
wärme mich ein wenig auf und stelle fest dass ich bei den Dehnübungen ziemlich
„gschtäär“ (auf deutsch vielleicht ungelenkig oder so ähnlich) bin. Wird
hoffentlich an der frühen Uhrzeit liegt. Dann begebe ich mich langsam an den
Startplatz im 2 km entfernten Baad. Da wumselt es schon von Läufern und man
trifft natürlich einige bekannte Gesichter. Gemütlich geht es zum Startnummern
holen. Dieses Jahr laufe ich mit meinem Arbeitskollegen „Pille“ im Team. Wir
haben schon die anderen zwei Bewerbe der IPEK- Mountain-Serie bestritten und
hofften vielleicht noch ein paar Punkte zu ergattern. Alwin hat dieses mal ein
Team mit Erich Pühringer. Wir stellen fest, dass sich heute ziemlich viele sehr
gute Läufer an den Start begeben werden. Nach dem Startnummern holen geht es an
das übliche Aufwärmen.
Um
neun Uhr ist der Startschuss und ich habe mich wie üblich neben Alwin
platziert. Der legt gleich ein Tempo vor, dass mir halb schwindlig wird. Ich
habe wirklich Mühe an ihm dran zu bleiben. Vor der Gemstelbodenbrücke hat er
dann so zwei, drei Meter Vorsprung. Ich hoffe schon auf den ersten Anstieg, der
in den Gemstelboden führt, weil sonst habe ich überhaupt keine Chance. An der
Gemstelbodenbrücke steht dann der erste Fanclub. Meine Familie, Hausgäste
..... . Mein älterer Bruder schaut mich schon recht kritisch an und gibt wie üblich
lautstark kund, dass man kämpfen muss. Das war in seiner aktiven Zeit etwas das
er bis zum Umfallen beherrschte. Brav wie ich bin, gehorchte ich natürlich
meinem Bruderherz und lief an dem kleinen Anstieg wieder an Alwin ran. Ins
Gemstel war dann ich an der Reihe und versuchte ein wenig Tempo zu machen.
Trotzdem musste ich wieder entdecken, dass uns Rosi Kremser überholt. Sogar
schon früher wie vor zwei Jahren. Ich glaub sie will mich ins Gemstel rein
immer etwas ärgern (oder Rosi??). Der einzige Unterschied war dass sie uns
dieses mal nicht davon lief und wir eigentlich mehr oder weniger miteinander
liefen. Bei Bernhard`s Gemstel kam dann der nächste Fanclub, angeführt von
meinem jüngeren Bruder. Hier wurden wir gleich mit Glocken und „Bommera“
angefeuert. Eigentlich konnte ich schon da nicht mehr, weil mir das Anfangstempo
einfach zu hoch war. Wie soll das nur gut gehen? Ich überlegte mir trotzdem
schon mal wo ich im Steilen einen Angriff starten sollte. Gleich nach der
Hintergemstelhütte, oder erst später nach der Bachdurchquerung. Noch war ich
etwas unschlüssig. Nach der Hintergemstelhütte ließ ich erst mal Alwin vor,
bekam aber dann doch den Rappel und zog das Tempo voll an. Volles Risiko und ich
gab echt ziemlich viel. Leider merkte ich dass es mir heute im Stieg nicht ganz
so leicht von der Hand ging. Bereits im „Klammera-Tobel“ war es eigentlich
gelaufen und ich wollte Alwin vorlassen, der wollte nicht mal. War vielleicht
doch ziemlich hoch das Tempo, aber ich war fertig. Irgendwann hat er sich dann
doch erbarmt und ist vorgegangen, aber ich hatte keine Kraft mehr zu folgen. Außerdem
habe ich da ein wenig die Orientierung verloren, da zwei Läufer gleich hinter
ihm herzogen. Da stand ich dann etwas neben der Kappe. Von da gab es eigentlich
nur mehr irgendwie ins Ziel kommen.
Nach
der Bachdurchquerung hatte ich mich dann doch wieder so weit erholt, dass ich
mich noch mal ein wenig aufraffte und versuchte Boden gut zu machen. Leider kam
ich nicht viel an Alwin und die zwei Läufer die mit ihm liefen näher. Bei der
Obergemstelhütte war ich schon wieder ziemlich fertig. Dort standen aber zum Glück
Susi, Daniela und Andrea, die mich dann ziemlich aufbauten. Danach bin ich dann
ziemlich viel gegangen und Rosi die einige Meter hinter mir lief konnte ich
irgendwie auch nicht abschütteln. Wie soll dieser Lauf nur ausgehen, wenn ich
mir bei meinen Lieblingsabschnitten und vermeintlichen Stärken so schwer tu.
Alles ging heute schwer. Ich redete mir ein, dass ich nur irgendwie noch zum
Gemstelpass hoch kommen muss und dann es heute eben mal abwärts krachen lasse.
Vor
der kleinen Bachquerung, bevor es auf die Serpentinen vor dem Gemstelpass geht
drehe ich mich mal kurz um und bin ziemlich irritiert. Rosi hatte ich ja die
ganze Zeit gesehen, aber dann sah ich auch noch Pille, den ich eigentlich weit
vor mir gerechnet habe und unseren Herrn Pfarrer. Verdammt, jetzt muss ich
wirklich etwas tun. Sie waren zwar schon noch ein gutes Stück hinter mir, aber
so ein Vorsprung ist auch schnell verloren. Vor allem schätzte ich Pille auf
dem Teilstück vom Gemstelpass zum Hochalppass als sehr schnell ein. Eigentlich
war Alwin auch noch nicht so weit vor mir. Wobei in diesem Teilabschnitt die
Perspektive immer ein wenig täuscht. Ich schaffte es dann doch noch einigermaßen
auf den Gemstelpass und hatte wie wir später feststellten so 2 Minuten Rückstand
auf Alwin. Diese Zeit hätte ich als Vorsprung gebraucht, aber heute war er auch
im Anstieg zu stark für mich. Ich war nur froh dass ich hoch gekommen bin und
versuchte oben das Tempo wieder anzuziehen.
Ich
glaube dass es mir dann auch ganz gut gelungen ist, denn ich sah bald Rosi,
Pille und die anderen nicht mehr. Ich drehte mich aber auch gar nicht erst um.
Konzentrierte mich nur noch nach vorne. Ich muss heute wenigstens abwärts gut
laufen. Nach der Widdersteinhütte überholte ich einen, der sich gerade am Übergeben
war. Hat nicht gerade gut ausgeschaut. In dem kleinen Tobel, wo es ein paar
kleine Serpentinen runter geht habe ich dann fast einen umgelaufen, weil ich zu
blöd war dran vorbei zu kommen, bzw. mir zu spät eingefallen ist dass ich ja
etwas sagen könnte. Die hatten beim Abwärts laufen das Problem, das
normalerweise ich immer habe. Ich habe schon bei diesem kurzen Stück abwärts
gemerkt, dass ich heute genug Mut habe zum es Krachen lassen. Der Anstieg auf
den Seekopf war dann noch mal ziemlich mühsam, dann begann die „Talfahrt“.
Etwas stutzig machte mich dann, dass zwei Läufer vor mir nicht zur Hochalphütte
abbogen, da es am Vortag noch geheißen hat, dass man dort vorbei laufen muss
und da jemand steht. Der andere Weg ist nämlich ca. 30 Sekunden schneller. Also
bog ich dann doch zur Hütte ab und die hinter mir folgten auch diesem Weg. War
ja auch so ausgesteckt. Man hat von oben auch jemand an der Hochalphütte sitzen
gesehen und nicht nur ich habe mich dann geärgert, dass das gar keine Kontrolle
war, sondern nur ein Tourengeher. Geärgert habe ich mich und auch einige
andere, weil eben einige den geraden Weg genommen haben.
Vor
lauter Ärger bekam ich dann vermutlich auch noch Seitenstechen und das wo ich
doch jetzt Gas geben wollte. Irgendwie verging es dann aber doch wieder und von
der Hochalphütte ging es dann ziemlich im Flug abwärts. Einmal saß ich zwar
fast auf dem Hosenboden, aber es lief einfach. Ich überholte sogar ein paar Läufer.
War aber vermutlich weil ich den Weg besser gekannt habe. Hat mich aber trotzdem
ziemlich aufgebaut. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich irgendwann einmal so
gut abwärts gelaufen bin. Das obwohl es alles andere wie gut zu laufen war. Es
war am heutigen Tag sehr rutschig. Bis zur Mittelalpe kam ich dann auch
einwandfrei und den nächsten Teil abwärts bin ich dann doch ein paar mal ein
paar Meter dahin geschlittert. Da war ich ein paar mal am Fluchen und die
Tourengeher die gerade aufwärts kamen, haben mich wohl ein bisschen entgeistert
angeschaut. Was die zwei dachten, die hinter mir herliefen, weiß ich allerdings
nicht. Ich glaube die waren recht froh dass sie hinter mir herlaufen durften, da
ich vermutlich meistens den kürzesten Weg getroffen habe.
Vor
der Bärgunthütte, wo es wieder eben wird überstand ich auch die Stelle wo ich
irgendwie meistens stürfle, obwohl es da gar keinen Grund zum Stürfeln gibt.
Das einzige Pech war, dass ich da schon keine Kraft mehr hatte. Oh, oh, das Bärgunt
ist so eeeeewig lang. Bei der Bärgunthütte wurden wir dann auch noch mal mit
Glocken und „Bommera“ vorwärts getrieben. Die zwei die sich in meinem
Windschatten eingenistet haben, lösten sich dann mal aus diesem und gaben ihre
Hinteransicht zum Besten. Musste ich mir gar nicht so lange ansehen, da ich
total platt war. Ich gab aber natürlich schon noch mein bestes, schließlich
wollte ich ja noch vor Pille ins Ziel kommen. Ich sah mich um, konnte aber zum
Glück niemand entdecken. Jetzt hieß es nur noch sich von Anhaltspunkt zu
Anhaltspunkt vortasten. Sonst wäre ich wohl nie in Baad angekommen. Zum Glück
kenne ich das Tal gut genug, so dass ich genug Anhaltspunkte in wenigen Abständen
finden konnte. Total am Ende kam ich dann mit einer Zeit von 1 Stunde 38 Minuten
und 2 Sekunden in Baad im Ziel an. Persönliche Bestzeit. 17. Rang in der Klasse
M30 (1964-1973). Im Team mit „Pille“ (Flori Felder) 13. Rang. Eigentlich gar
nicht so schlecht die Zeit, aber irgendwie freute ich mich trotzdem nicht so
richtig, da der ganze Lauf ein Kampf war. Außerdem war vor zwei Wochen das
Training auf Zeit, trotz Sturz und Krämpfen nicht besonders viel langsamer. Ich
glaube es lag heute am verdammt hohen Anfangstempo und dazu war vom Gefühl her
heute nicht mein allerbester Tag.
Die
Bestzeit bei den Herren schaffte Thomas Langer, mit 1:19:17 und bei den Damen
Gerti Ott mit 1:42:04. Von den Walser Läufern gab es dieses Jahr hervorragende
Zeiten. Vor allem Seppi Neuhauser hat mit 1:20:42 eine Wahnsinns Zeit gelaufen.
Aber auch Gerhard Weißenbach, Sebastian Felder, Daniel Benauer, Stefan Schächer
und Alwin Moosbrugger haben fantastische Zeiten. Wie üblich gibt es hier ein
Walser Auflistung. Hoffe ich habe niemand vergessen.
Die offiziellen Ergebnislisten findet man auf der Homepage vom Widdersteinlauf: Ergebnislisten
Bericht bei www.kleinwalsertal.com
Walser-Wertung (keine offizielle Wertung, Sonderwertung von mir; in Klammer die Zeiten aus den Vorjahren, 2002 / 2001)
| Seppi Neuhauser | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:20:42,082 (1:30:15,67 / 1:23:37,573) |
| Gerhard Weißenbach | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:28:42,333 ( - / 1:27:43,359) |
| Daniel Benauer | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:30:43,193 (1:46:57,46 / 1:31:56,969) |
| Sebastian Felder | Hirschegg | 1:31:40,312 (1:43:07,74 / - ) |
| Stefan Schächer | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:31:57,667 ( - / - ) |
| Alwin Moosbrugger | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:33:42,756 (1:38:54,02 / 1:36:40,198) |
| Stefan Heim | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:38:02,150 (1:40:04,36 / 1:39:51,140) |
| Flori Felder ("Pille") | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:38:45,411 ( - / - ) |
| Seppi Mennel | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:41:06,488 (1:38:53,57 / 1:31:56,969) |
| Josef Walter (Pfarrer von Mittelberg) | Mittelberg | 1:44:06,087 ( - / 1:55:44,127) |
| Gisi Hilbrand | Feuerwehr Mittelberg | 1:48:01,179 ( - / 1:56:31,926) |
| Joachim Paul | Käsestadel | 1:49:38,156 ( - / - ) |
| Erich Pühringer | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:51:10,880 ( - / - ) |
| Patrick Schuster | SC Tiefenbach | 1:57:44,997 ( - / - ) |
| Johann Kessler | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:58:46,671 (1:58:46,54 / 2:10:52,00) |
| Hubert Wüstner | Tri-Team Kleinwalsertal | 2:00:40,069 ( - / 2:04:09,333) |
| Angelika Pühringer | Tri-Team Kleinwalsertal | 2:00:43,055 (2:03:45,67 / - ) |
| Thomas Meusburger | Feuerwehr Mittelberg | 2:02:15,203 ( - / 2:02:19,303) |
| Markus Dodier | Tri-Team Kleinwalsertal | 2:07:43,066 (2:28:22,54 / - ) |
| Marion Kessler | Tri-Team Kleinwalsertal | 2:11:05,924 (2:16:57,46 / - ) |
| Susanne Zweng | Tri-Team Kleinwalsertal | 2:26:01,822 ( - / - ) |
| Manfred Baral (heute als Mitläufer von Jeff Drost aus New Jersey, USA | Tri-Team Kleinwalsertal | 2:28:59,065 (2:00:51,19 / - ) |