Ich
war noch überhaupt nicht bei der Sache, als ich zusammen mit Alwin nach Baad
zum Startplatz des Widdersteinlaufes fuhr. Am Vortag bin ich erst aus dem Urlaub
in Norwegen zurückgekommen und noch 10 Stunden im Auto gehockt. In der Früh
waren wir bereits beim Weckruf mit der Musik. Es war auch die große
Walserhochzeit von Helmut und Michi und mit den Gedanken war ich eigentlich mehr
dort, weil ich die Verantwortung für die Musikkapelle übernehmen musste
(Helmut ist der Kapellmeister und ich sein Vize).
In der Nacht hatte es unten geregnet und oben nochmal geschneit. Es lag aber
sowieso schon genug Schnee oben. Ich war eigentlich am Vortag völlig
überrascht, dass der Lauf wirklich auf der Originalstrecke gehen sollte. Bei so
viel Schnee und ich war mir noch nicht sicher wie das alles gut gehen soll. Es
war dann zwar ziemlich kalt (eine Stunde vor dem Start ca. 3°C), aber es brach
ein wunderschöner Sonnentag an.
Pünktlich um 8.30 Uhr fiel der Startschuss. Zunächst ging es auf der
Hauptstraße in Richtung Bödmen. Bald schon verabschiedete sich die
Spitzengruppe und Alwin und ich führten danach die zweite Gruppe an. Bis zu mir
nach hause fiel mir das Laufen sehr schwer und eigentlich fand ich das Tempo zu
hoch für mich, aber am Anfang muss man da durch und meistens ist es ein gutes
Zeichen wenn ich mir am Anfang schwer tue.
Beim ersten kleinen Anstieg hinauf in den Gemstelboden fühlte ich mich schon
viel besser und von da an ging es leichter. Durchs Gemstel überholten uns dann
noch zwei Läufer aber Alwin und ich ließen uns nicht aus der Ruhe bringen und
marschierten in einem schönen Tempo nebeneinander her. Ich war nur ein wenig
überrascht, dass wir plötzlich Daniel Benauer vor uns auftauchen sahen und er
jetzt schon sichtlich Mühe hatte. Schien nicht sein Tag zu werden. Bei der
Hintergemstelhütte überholten wir ihn und ich übernahm die Führungsarbeit.
Es dauerten dann auch nicht so lange bis wir wieder einen Läufer überholten.
Ich fühlte mich wahnsinnig gut im Anstieg, bremste mich aber sicherheitshalber
noch ein wenig ein. Ich dachte mir gib nach dem gesprengten Weg und nach der
Bachdurchquerung Gas, weil die kommt mir immer entgegen. Das Problem war dann
nur, dass nach der Bachquerung unsere Fahrbahn Schnee war und das nicht zu
wenig. Es war zwar gut darauf zu laufen, aber mit den Turnschuhen rutscht man
doch mehr und es kostet Kraft. Ich verschärfte aber trotzdem das Tempo
nochmals. Eine Weile hatte ich das Gefühl, dass Alwin und der andere Läufer
wegbrechen, aber Alwin schaffte es dran zu bleiben, der andere fiel zurück.
Im Schnee zu laufen kostet unglaublich Kraft und wir sind bei den steileren
Stellen oberhalb der oberen Gemstelhütte sehr viel gegangen. Auf dem
Zickzackweg vor man zum Gemstelpass rüber quert hatte ich immer einen
gigantischen Ausblick. Vor mir hatte ich zwar schon länger kein Läufer mehr
gesehen, aber man konnte ein weites Stück abwärts sehen und sah wie sich die
Läufer in einer Karawane auf den Gemstelpass hochquälten.
Das war ein tolles Gefühl. Da ich Alwin nicht abschütteln konnte ließ ich ihn
auch mal wieder nach vorne, weil ich langsam müde wurde. Im Schnee jemanden
hinterher zu laufen war dann doch viel leichter wie die ganze Zeit vorne weg zu
marschieren. Meinen notwendigen Vorsprung für bergab konnte ich mir leider
sowieso nicht mehr erlaufen, aber ich dachte mir so leicht gebe ich mich heute
nicht geschlagen, nachdem ich heute wirklich viel gearbeitet habe. Ich war schon
gespannt wie das im Schnee abwärts gehen sollte. Zunächst passierten wir aber
die Widdersteinhütte und ich war eigentlich total überrascht, dass wir trotz
der Schneemassen bereits nach genau 1 Stunde dort waren.
Die schmale Schneespur erforderte heute einiges vom Gleichgewichtsvermögen ab.
Manchmal "stürfelten" wir ganz schön was rum. Bei einem "Stürfler"
bekam Alwin mal einen leichten Krampf und etwas später erwischte es auch mich.
Es war aber nichts schlimmes und wir konnten im gleichen Tempo weiterlaufen ohne
stehen zu bleiben.
Immer näher kam der von mir gefürchtete Abstieg. Ich redete mir immer ein, gib
dich nur nicht gleich geschlagen. Folge so lange es irgendwie geht. Der Schnee
war dann für mich ideal. Auch wenn wir z.T. weitere Wege laufen mussten, als
wir sonst gelaufen wären (die Schneespur war einfach vorgegeben) hatte ich da
keine Probleme es einfach laufen zu lassen. Bis zur Mittelalpe von der
Bärguntalpe war dann eine Schneespur und dann wurde es zuerst matschig und von
der Mittelalpe runter dann aper doch z.T. war es spiegelglatt. Wo es dort runter
ging sahen wir plötzlich Mennel Seppi vor uns und ich dachte mir er hat sich
etwas getan, dass wir auf ihn auflaufen, aber es sah nicht danach aus. Nach ein
paar Ausrutscher und einmal umknicken hatte ich nicht mehr den Mut die
"kriminelle Talfahrt" mitzumachen. Ich hatte nicht mehr die Kraft mich
zu überwinden und langsam aber sicher sah ich Alwin und Seppi aus meinem
Blickfeld verschwinden. Pech für mich, denn ich war jetzt allein und hatte
niemand der mich mitzog. Wo es dann wieder halbwegs eben wird war ich heil froh
und ich wollte wieder etwas mehr Tempo machen und rutsche natürlich da ich
gerade voller Euphorie war dass ich auch runtergekommen bin aus. Beim
Ausrutschen zwickt es natürlich verdammt in den Waden. Es waren zwei Krämpfe,
aber ich muss nicht anhalten und kann das Tempo trotzdem erhöhen. Dann kommt
das Bärgunt, das so ewig lang sein kann. Mir war klar wenn ich genug Gas gebe
könnte ich die Zeit von letztem Jahr gerade noch erreichen. Ich hatte aber
einfach keine Kraft mehr. Im Schnee laufen hat so viel Kraft gekostet. Es ging
sich die Zeit vom Vorjahr ganz knapp nicht mehr aus. Nach 1 Stunde 40 Minuten
4,36 Sekunden stand ich im Ziel (Vorjahr: 1:39:51,14). Es gab
zwar keine bessere Zeit wie letztes Jahr aber bei den schwierigen
Laufverhältnissen ist die Zeit viel höher einzuschätzen. Ich war sehr
zufrieden im Ziel. Den Lauf empfand ich auch noch als schöner wie im Vorjahr.
Es war zwar letztes Jahr auch schönes Wetter, aber schön Wetter und die
Kulisse bei den verschneiten Bergen ist einfach so umwerfend, das kann man sich
kaum vorstellen.
Alwin und ich sind später bei der Hochzeit oben bei der Walmendingerhornbahn
gestanden (in der Bergstation war das Kaffee-Trinken) und blickten hinüber in
die beiden Täler Gemstel und Bärgunt bzw. Hochalppass und es war erstens ein
Traumblick und ein überwältigendes Gefühl zu sehen welche Strecke wir da
überwunden haben. Das sah von dort verdammt mächtig und majestätisch aus und
eigentlich kam ich mir recht klein und dann doch wieder ganz groß vor.
Alwin und Mennel Seppi sind vor mir zusammen ins Ziel gekommen (1:38:54,02).
Nichtsahnend von unserem Ergebnis, aber doch mit einem guten Gefühl bin ich gleich
nach dem Lauf heim zum Duschen und war schon wieder mit den Gedanken bei der
Hochzeit. Erst als wir bei der Walmendingerhornbahn-Bergstation waren und einen
tollen Blick in die Bergwelt hatten kam ich dazu mit Alwin, der noch die
Siegerehrung abgewartet hatte und fast zu spät auf die Hochzeit kam, über die
Ergebnisse zu sprechen. Ich war total überrascht als ich erfuhr, dass wir in
der Team-Wertung 3. geworden sind (schnellstes Walser-Team) und 4. bzw. 5.
schnellste Walser waren. Auch der 10. bzw. 11. Platz in unserer Altersklasse M30
kann sich meiner Meinung nach durchaus sehen lassen. Überrascht von dem
Ergebnis war ich eigentlich vor allem darum, weil die letzten 3 Wochen das
Training schon ein wenig zurück stecken musste und ich eigentlich nicht so
trainiert habe wie ich mir das vorgestellt habe. Wie es aussieht war es aber
doch nicht so schlecht.
Die Ergebnislisten findet man auf der Homepage vom Widdersteinlauf: Ergebnislisten
Walser-Wertung (keine offizielle Wertung, Sonderwertung von mir; in Klammer Zeit vom Vorjahr)
| Seppi Neuhauser | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:30:15,67 (1:23:37,573) |
| Ulli Ernst | SVC Kleinwalsertal | 1:36:05,12 (-) |
| Seppi Mennel | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:38:53,57 (1:31:56,969) |
| Alwin Moosbrugger | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:38:54,02 (1:36:40,198) |
| Stefan Heim | SVC Kleinwalsertal | 1:40:04,36 (1:39:51,140) |
| Sebastian Felder | SVC Kleinwalsertal | 1:43:07,74 (-) |
| Daniel Benauer | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:46:57,46 (1:31:56,969) |
| Toni Sättele | Mittelberg | 1:48:31,44 (1:40:52,346) |
| Armin Haller | 1:57:34,42 (-) | |
| Johann Kessler | Tri-Team Kleinwalsertal | 1:58:46,54 (2:10:52,00) |
| Michaela Hilbrand | Mittelberg | 1:59:06,32 (1:58:46,677) |
| Manfred Baral | Tri-Team Kleinwalsertal | 2:00:51,19 (-) |
| Carsten Buchner | Hirschegg | 2:01:45,73 |
| Heiko Moosbrugger | Mittelberg | 2:02:51,42 (1:30:37,564) |
| Angelika Pühringer | Tri-Team Kleinwalsertal | 2:03:45,67 (-) |
| Antonia Ritter | 2:14:11,12 (-) | |
| Marion Kessler | Tri-Team Kleinwalsertal | 2:16:57,46 (-) |
| Markus Dodier | Tri-Team Kleinwalsertal | 2:28:22,54 (-) |
| Heike Fischer | Flying Sisters | 2:36:29,97 (-) |
| Monika Fischer | Flying Sisters | 2:36:31,20 (2:11:30,878) |