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22.09.2002
Sehr schönes Wetter.
Um 9.30 Uhr machten wir gleich die Tour „Bergen in a Nutsnell“ mit. Mit einem roten Doppeldeckerbus fuhren wir zur Talstation der Ulriken-Bahn. Eine Schwebebahn brachte uns auf den höchsten der sieben Berge von Bergen, den 640m hohen Ulriken. Von hier oben hatten wir einen herrlichen Blick auf Bergen und das Hinterland, mit den ganzen Schären, aber auch ins Fjell. Ich finde dass in den Führern viel zu wenig auf den Ulriken hingewiesen wird. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass wir besonders schönes Wetter hatten. Viele Norweger fuhren mit der Bahn hoch und verschwanden dann im Fjell. Wir haben blöderweise keine Bergschuhe angehabt und das hat mir schon ein wenig gestunken, da es mich kräftig in den Beinen gejuckt hat. Es nützte aber alles nichts und so kamen wir halt im Gipfelrestaurant zu Waffeln und einer undefinierbaren Brus (Limonade) welche für meinen Geschmack nicht geeignet ist. Die Waffeln schmeckten dafür sehr gut. Ich glaube die Norweger essen bei fast jeder Gelegenheit auch Waffeln. Da wir keine festeren Schuhe dabei hatten fuhren wir wohl oder übel wieder mit der Bahn nach unten. An der Talstation war bereits eine riesige Schlange von Menschen. Wie es aussah wollte halb Bergen heute auf den Ulriken und weiter ins Fjell. Es war auch Sonntag und das Wetter wurde hier wohl voll ausgenützt. Mit Kind und Kegel, halt alles was laufen kann, geht es hier „på tur“. Das ist wieder so etwas was mich an den Norwegern so fasziniert. Die Kleinsten haben schon ihre Rucksäcke gepackt und alles sieht so selbstverständlich aus. Bei uns ist es doch eher die Ausnahme, dass die Kinder freiwillig mit auf eine Bergtour gehen.

Wir holten das Auto aus der Parkgarage und fuhren zum Aquarium, welches wir auch besichtigten. Für ein Museum hatten wir heute einfach keine Lust und das lag vermutlich auch am guten Wetter. Wir entschieden uns dann für die Weiterfahrt und verabschiedeten uns von der Stadt Bergen ohne einen einzigen Regentropfen gesehen zu haben. Nur schönstes Wetter und da soll einer sagen das ist die regenreichste Stadt Europas.

Auf der bereits bekannten E16 fuhren wir wieder durch zahlreiche Tunnels bis Trengereid wo wir auf den RV 7 abbogen. Man merkte dass Sonntag und schönes Wetter war, denn es herrschte kaum Verkehr. Es wurde immer ruhiger und ich fühlte mich wieder richtig wohl. Obwohl es in Bergen sehr schön war, wurde mir bewusst, dass ich nie ein Stadtmensch werden kann. In der Stadt fühle ich mich einfach ein wenig eingesperrt. Auf dem Fløien, aber vor allem auf dem Ulriken dagegen habe ich mich richtig wohl gefühlt. Das weite Land öffnet sich, das Fjell ist bereits da, das ist meine Welt !
Der RV 7 führte uns wieder mal ins Gebirge und bei Kvamskogen ging es dann hinaus zum Hardangerfjord. Bei Norheimsund konnten wir das erste mal einen Blick auf den Folgefonn, einen Gletscher, erhaschen und in Øystese machten wir eine kleine Rast. Auf einer kurvigen und immer wieder mal sehr schmalen Straße ging es am Fjord entlang. Bei Kvanndal überlegten wir ob wir hier die Fähre nach Kinsarvik nehmen sollen, oder weiter bis nach Bruravik sollen. Wir entschieden uns für das Letztere und fuhren durch den relativ neuen 7.510 m langen Vallaviktunnel. In Bruravik ging es mit der Fähre weiter bis nach Brimnes und am Sørfjord entlang bis nach Lofthus. Wir wollten eigentlich bei Lofthus-Camping eine Hytte mieten, konnten aber auch im Privathaus vom Campingeigentümer niemand finden, also fuhren wir wieder zurück nach Kinsarvik, wo wir eine Hytte bei Kinsarvik-Camping bekamen. Ich unternahm am Abend noch eine Trainingstour ins Husedalen. Bin bis zum Kraftwerk am Tveitafossen gelaufen. Eigentlich wollten wir morgen die Tour ins Husedalen zu den vier Wasserfällen machen. Aber am Tveitafossen kam nur noch ein kleines Rinnsal und das war nicht gerade spektakulär. Da ich das ganz anders in Erinnerung hatte und am nächsten Tag nicht enttäuscht werden wollte, suchte ich mir am Abend noch eine andere Tour für den morgigen Tag aus.
Auffallend waren heute am Hardanger- u. Sørfjord
entlang die alle paar hundert Meter auftretenden Obststände, bei denen man
frisches Obst einkaufen konnte. Meistens war niemand an den Ständen, aber es
befand sich eine Kasse an den Ständen in die man das Geld für das gekaufte
Obst einwarf. Ehrlichkeit wird hier als Selbstverständlichkeit behandelt und
das finde ich sehr schön ! Auf unserer Fahrt konnten wir auch noch einige
Bauern bei der Ernte beobachten und an manchen Bäumen konnte man noch die
saftigen roten Äpfel entdecken.
182,0 km, Hordaland.
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