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14.09.2002

Sehr windig. Ein paar Spritzer Regen und dann sonnig.

Der Tag des Laufes war gekommen. 5. Birkebeiner-Løpet stand auf dem Programm. Oh weia dachte ich mir in der Früh beim Aufstehen. Immer noch schwere Beine. Der Blick nach draussen. Das Wetter sieht gut aus. Nach dem Frühstück fuhren wir in Richtung Birkebeiner-Stadion. Bei der Håkons-Hall sah ich gerade einen Pendelbus nach Storåsen, also sprang ich aus dem Auto und fuhr gleich mit diesem mit. Als einziger Nichtnorweger in dem Bus kommt man sich dann schon etwas verloren vor. Da habe ich mich im ersten Moment schon gefragt was ich hier eigentlich mache ? Es soll ja ein Testlauf für den Widdersteinlauf werden also einfach die Sache positiv sehen. In Storåsen war plötzlich ein anderes Wetter und es ging ein grausig kalter Wind und es kamen immer wieder ein paar Regenspritzer vom Himmel. Das kann ja lustig werden. Die meisten Norweger liefen gut verpackt und mit Mütze und Handschuhen herum. Auf so einen kalten Wind war ich jetzt wirklich nicht eingestellt und eine Mütze hatte ich schon gleich gar nicht in den Rucksack gepackt. Also stand ich wie die meisten anderen auch an ein Hauseck um möglichst windgeschützt zu stehen. Verkürzt wurde die Wartezeit beim Anstehen an den Dixie-WC`s. Der Ansager sagte, dass man die Klos benutzen und nicht in den Wald gehen soll. Wie es aussah haben sich auch wirklich alle daran gehalten. Nachdem die Elite gestartet war machte ich mich ans Aufwärmen. Die schweren Beine und die Krampfprobleme beim letzten Lauf (Inferno-Halbmarathon) machten mir etwas Sorgen. Der Start kam dann schneller wie erwartet und ich musste noch hektisch den Rucksack packen und zum LKW (Bagasjetransport) geben. Vorgenommen habe ich mir sicherheitshalber gleich gar nichts, sondern nur gehofft, dass ich ohne Krampf ins Ziel komme. 

Der Startschuss fiel und ich war ziemlich in der Mitte von dem ganzen Haufen der Klasse M4/K4. Ich liess es gleich relativ ruhig angehen. Als es nach 2 km etwas mehr ansteigt überhole ich doch einige Läufer. Nach dem Verpflegungsstand bei ca. 3 km geht es dann in einen schmalen Gebirgspfad. Dort wurde ich dann ein wenig eingebremst, da man für Überholmanöver kaum Platz hat und diese einfach zuviel Kraft kosten. Wir sind ein ganzer Pulk von mehreren Läufern und Läuferinnen. Leider reisst eine Läuferin ein gutes Stück vor mir ein Loch auf. Es dauert dann doch eine Weile bis ich weiter nach vorne komme. Ein paar Läufer kann ich noch erreichen, doch der große Pulk ist mir schon entschwunden. Da es am Lunkefjell meistens aufwärts geht reissen mit der Zeit alle hinter mir ab. Auch nicht schlecht denke ich mir, da kann ich mein eigenes Tempo laufen. Nach Sjusjøen hinunter folgt das beste Training für den Widdersteinlauf abwärts. Jede Menge große Steine und Absätze erfordern eine erhöhte Aufmerksamkeit. Das letzte Stück auf dem Feldweg hinunter rennen ein paar wie „Gestörte“ abwärts und an mir vorbei. Einen von diesen Läufern werde ich immer wieder begegnen und zwar entweder wenn es bergauf geht, dann überhole ich, oder wenn es bergab geht überholt er. Leider muss ich hier wieder deutlich meine Schwäche beim Abwärts laufen sehen. Du musst dich mehr überwinden sage ich zu mir und siehe da es klappt schon ein wenig besser. Nach dem Verpflegungsstand geht es dann flach und z.T. etwas aufwärts und schon bin ich wieder an einem Läufer mit blauem Dress, der mich vorhin noch überholt hat dran und kann ihn sogar ziemlich stehen lassen. 

Bei ca. 9 km kommt von hinten einer in einem höllischen Tempo und läuft mich fast in der Kurve um. Das war vermutlich der Schnellste der Klasse M5 (35-39 Jahre), die eine Weile nach uns gestartet sind. Es geht wieder eine Weile über Stock und Stein abwärts und es dauert nicht lange bis der Läufer mit dem blauen Dress wieder an mir vorbeischiesst. Zum Glück geht es vor dem Birkebeinerbakken wieder aufwärts. Jetzt kommen auch die schnellen Herren der Klasse M5 nacheinander vorbeigeschossen. Krass ist es dann die Lifttrasse abwärts. Da flogen sie dann direkt links und rechts an mir vorbei. Fast der halbe Lauf ist rum und ich fühle mich noch gut. Am Lift unten angekommen begann jetzt die Schlammschlacht bis Spiten. Bis auf einen Sturz bin ich auch hier halbwegs durchgekommen. Ich glaube aber dass die meisten Norweger eine größere Erfahrung mit solchen Streckenabschnitten (Moor) haben wie ich. Hier überholte mich einer mit einer schwarzen Hose und orangen Streifen. Durch den moorigen Wald war er mir schon entschwunden. Als wir nach Spiten auf den Fahrweg kamen ging es bis zur Bachüberquerung mehr oder weniger aufwärts und kurz davor hatte ich ihn wieder eingeholt. Danach ging es auf einem schmalen Pfad über Wurzeln, Stock und Stein durch den Wald immer im Wechsel von auf und ab. Der Läufer mit der schwarzen Hose und orangen Streifen legte mir das optimale Tempo vor und ich war froh dass ich hinter ihm herlaufen konnte, da ich bei Sjøsætra (15 km) einen Durchhänger hatte. Als es nach der Loipentrasse wieder auf den Fahrweg und es nach der Verpflegungsstation wieder steiler abwärts ging kam wieder eine Horde von hinten und dabei war eine Frau die ich das letzte mal am Lunkefjell gesehen habe. Ich dachte mir da musst du dranbleiben, das muss doch gehen. Ich schaffte es zwar nicht ganz das hohe Tempo, doch sie kamen nicht weit weg und jetzt begann ein Terrain das für mich wie geschaffen ist. Es ging auf die Olympia-Langlaufstrecken und wir mussten zunächst aufwärts ! Zunächst lief ich mal an die Gruppe heran und irgendwann war mir klar, dass es eigentlich nur noch knapp 4 Kilometer bis ins Ziel sind. Irgendwie war das so als ob ich noch zum zweiten Mal Luft bekam, auf jeden Fall ging es aufwärts wie im Flug und ich überholte einen Läufer nach dem anderen. Jetzt konnte mich auch abwärts nichts mehr halten und es lief einfach und ich biss bis ins Ziel noch mal voll rein. Die letzten 4 km liefen fast wie von alleine. Das Ziel erreichte ich nach 1 Stunde 42 Minuten 27 Sekunden und erreichte in meiner Klasse den 105. Platz. 

Auch wenn ich die Makstid (1:39:41/unter 25 % hinter den besten 5) relativ knapp verfehlte bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Im Vorjahr hätte ich mit der Zeit die Makstid erreicht, aber dieses Jahr war ein sehr starkes Feld am Start. Trotz schwerer Beine und den Negativerlebnissen in letzter Zeit war das ein Lauf, der wieder in die erwünschte Richtung zeigt. Ich glaube auch, dass ich mir den Lauf sehr gut eingeteilt habe. Die Streckenbesichtigung vor zwei Tagen hat da aber sicher einen großen Teil dazu beigetragen. Im Ziel fühlte ich mich dann auch recht gut und war gleich mal erholt. Nach ein paar Erinnerungsfotos ging es dann zur Håkons-Hall zum Duschen. Es fand dann in der Halle auch gerade die Siegerehrung statt. Schade dass Oddvar Brå, eine norwegische Langlauflegende, der seine Klasse gewonnen hat nicht zur Siegerehrung erschien. Ich hätte doch zu gerne ein Foto von ihm gemacht. Bei der Läufermesse musste ich auch noch mal vorbeischauen und ich erwarb mir günstig einen neuen Langlaufanzug.


Mehr machte ich an diesem Tag nicht mehr. Wir hockten nur noch gemütlich vor unsere Hütte im Roterud Fritidsgard.

24,9 km, Fylker: Hedmark, Oppland

Am Abend erreichte mich leider noch eine Hiobs-SMS von daheim. Unsere Katze wurde überfahren und ich bin sehr traurig. Nie mehr wird sie durch ihr Schlupfloch in mein Büro kommen, sich auf meinen Schoß setzen und vor sich hinschnurren und ihre Pfoten fast bis zu meinem Hals ausstrecken. Nie mehr wird sie beim Füttern Männchen machen, nie mehr wird sie sich einfach hinfallen lassen, dass sie gestreichelt wird. Nie mehr wird sie mich einfach auch beim spät in der Nacht heimkommen vor der Haustür begrüßen. An die Katze habe ich auch schon im Urlaub öfter gedacht und mich schon darauf gefreut, wenn sie bei meiner Rückkehr wieder auf meinen Schoß hockt und nicht mehr hinunter will. Sie wird mich nicht mehr begrüßen :-(((

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