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Norwegen Trainingslager vom 05.-21.11. 2004
Der etwas amdere Reisebericht ...

Leider liegt Beitostølen nicht um die Ecke und wir mussten erst mal anreisen.
Mit unserem Sportvereinsbus voll gepackt, mussten wir erst mal über 900 km,
also durch ganz Deutschland tuckern, bis wir nach Kiel auf die Fähre kamen.
Auf der Strecke dorthin machten wir bereits ein kleines Wettrennen mit einem
Schweizer Bus, aus dem wie wir später feststellten, ebenfalls Langläufer
heraus krochen. Weiter dann mit der Fähre nach Oslo und dann noch ein paar
Stunden durch das schöne Valdres fahren und dann waren wir endlich in Beitostølen.
Dort hatte ich mit Knut einen guten Preis für eine nette Hütte ausgemacht,
in der wir die nächsten 2 Wochen logieren sollten. Nachwuchsläuferin und
Hobbyläufer sind natürlich nicht blöd und haben extra eine Köchin
engagiert und ließen sich bestens kulinarisch versorgen. Ein bisschen Luxus
muss ja sein!
Nach der Ankunft sind wir erstmal gemütlich zum Laufen gegangen und haben uns
ein wenig im Ort umgesehen. Es herrschte bereits reger Trainingsbetrieb.
Hauptsächlich Biathleten bekam man im Ort zu Gesicht. Die deutschen Damen,
Russen, Chinesen, Weißrussen, Italiener, Schweizer, Norweger, Slowenen,
Slowaken, Letten…. Leider hatte es in Beitostølen herunten noch nicht so
viel Schnee, man konnte allerdings laufen. Ich habe mir allerdings sagen
lassen, dass oben auf der Valdresflya bereits ganz gute Bedingungen sind. Also
am nächsten Tag noch ein paar Kilometer fahren hoch auf die Valdresflya. Hier
herrscht bereits reger Betrieb. Hobbylangläufer geht mit Nachwuchsläuferin
auf die Strecke. Für Hobbylangläufer ist es zunächst ziemlich ungewohnt
zwischen den ganzen Langläufern, die er sonst am Fernsehbildschirm bewundert
herumzulaufen. Nur gut dass er sich hinter der Nachwuchsläuferin verstecken
kann und ihre Technik begutachten muss.
Vor allem die norwegischen Langläuferinnen machen einen ziemlich guten
Eindruck. Marit Bjørgen und Vibeke Skofterud machen beim Intervalltraining
nach Meinung von Hobbylangläufer einen verdammt starken Eindruck. Frode
(sprich Frude!) Estil arbeitet an seiner Skatingtechnik. Er ist wohl der
einzige norwegische Klassikspezialist der sich wirklich ernsthaft darum bemüht
ein guter Skater zu werden. Das Gefühl hat zumindest Hobbylangläufer. In
einer norwegischen Zeitung liest dann auch Hobbylangläufer, dass Frode Estil
mehr Skating trainiert wie klassisch und sich Bente Skari als Vorbild genommen
hat. Er will auch in Skatingrennen gute Resultate. Nicht nur ab und zu mal ein
gutes Ergebnis, sondern Beständigkeit. Das imponiert den Hobbylangläufer,
diese Zielstrebigkeit und Mühe die er auf sich nimmt. Er weiß nämlich als
Klassikspezialist nur zu gut wie das mit dem Skaten ist. An einem guten Tag
reicht es mal zu einem guten Ergebnis, aber es gibt beim Skaten unglaubliche
Schwankungen. Als Klassikspezialist mehr Skaten wie klassisch laufen ist ganz
schön hart.
Auf jeden Fall fühlt sich der Hobbylangläufer nicht immer ganz wohl zwischen
diesen ganzen Läufern. Vielleicht nicht unbedingt wegen den Nationalkaderläufern
sondern wegen Läufern wie Sirdal Ski 1 + 2. Hobbyläufer von Skiclub K. läuft
auf der Strecke und dann kommen Läufer von Sirdal Ski 1 + 2, laufen sehr
locker einen Anstieg hoch und Hobbylangläufer läuft ebenfalls einen Anstieg
hoch, wie er findet eigentlich auch locker, doch sein Puls sagt nicht ganz so
locker. Das ärgert natürlich Hobbylangläufer, aber mit der Zeit gewöhnt er
sich daran sich nur um sein eigenes Tempo zu kümmern, egal was rings herum
passiert.
Was Hobbylangläufer natürlich freut, dass Sirdal Ski 1 + 2 beim FIS-Rennen
später in der Woche ziemlich weit vorne in der Ergebnisliste zu finden waren.
Die erste Woche lief es dem Hobbylangläufer nicht so richtig, vielleicht lag
es an der Umstellung, der Akklimatisation.
Leider fing es später in der Woche ziemlich heftig zu winden an und man
konnte nicht mehr hoch auf die Valdresflya fahren, da die Straße gesperrt
wurde. Also tummelte sich dann alles unten auf der Flutlichtloipe beim Beitostølen
Skistadion herum. Durch die FIS-Rennen und Biathlon-Rennen die am Wochenende
stattfanden, war es dann ziemlich schwierig auf die Loipe zu kommen.

Wir haben uns natürlich die FIS-Rennen angesehen. Frode Estil und Odd-Bjørn
Hjelmeseth scheinen klassisch in Form zu sein und der junge Eldar Rønning ist
sicher ein Mann für die Zukunft. Überraschend gute Platzierungen hatten die
Männer der „Langdistanz-Mannschaft“ rund um Jørgen Aukland. Obwohl sie
bei den ersten Kilometern bei den Zwischenzeiten nicht zu sehen waren, schoben
sie sich am Ende der 15 km ganz schön weit nach vorne. Skorstad wurde dann
gleich noch für den ersten Weltcup nominiert. Im Sprint überraschte bei den
Damen die ganz junge Läuferin Guro Strøm-Solli die der Sprintkönigin Bjørgen
die Show stahl. Bei den Herren gewann Krister Trondsen, der im Sommer beim
Skiroller-Training in ein paar Schafe gefahren ist, vor Trond Iversen. Bei den
Skating-Rennen trumpften wieder mal die Biathleten Lars Berger und Ole-Einar
(sprich Ule-Einar) Bjørndalen auf. Aber auch Frode Andresen, der durch einen
Sturz die Chance auf das Podium verpasste, stahl den Spezialisten die Show.
Dritter wurde Frode Estil noch vor Tore-Ruud Hofstad. Natürlich schauten wir
auch bei den Biathlon-Rennen vorbei, wobei die Massenstarts ziemlich von der
Windlotterie geprägt war.
An einem Abend nach den Langlaufrennen konnte man dann wieder auf die Strecke
und Hobbylangläufer war am Skaten und konnte einen angenehmen
Trainingspartner finden der genau sein Tempo hatte. Das war eine richtig schöne
Einheit. Außerdem war an diesem Abend eine fantastische Stimmung auf der
Loipe. Vielleicht das Erlebnis überhaupt in diesem Trainingslager für
Hobbylangläufer. Es waren auf der 5 – 6 km Strecke laut späteren Berichten
über 500 Langläufer am Trainieren. Praktisch von 4 – 100 Jahren tummelte
sich alles auf der Strecke. Verschiedene Skiclubs, die mit ganzen Bussen und
ihrem Nachwuchs angereist sind, die Nationalkaderläufer von Biathleten und
Langläufern dazwischen, einfach alles was laufen kann und trotzdem kam man
sich im Training nicht beeinträchtigt vor, hatte genügend Platz für jede
Geschwindigkeit. Ich wünschte mir bei uns auch mal so viele Kinder auf der
Loipe oder überhaupt diese Athmosphäre.
Damit natürlich keine Illusionen aufkommen, auch in Norwegen jammert man darüber,
dass die Kinder zu wenig Bewegung haben und um 2-3 kg im Durchschnitt mehr
wiegen, wie vor Jahren. Doch soviel jungen Menschen auf der Loipe zu begegnen
finde ich einfach genial.
Auffallend übrigens wie versessen Norweger auf Technik und Ästhetik aus
sind. Die Trainer in den Skiclubs versuchen dieses Gefühl zu vermitteln dass
Langlauf auch schön aussehen muss. Außerdem sind sie sichtlich bemüht dem
Nachwuchs die freie Technik beizubringen. Man spürt dass sie hier etwas
bewirken wollen.

Die Loipenbedingungen wurden leider mit der Zeit immer schlechter und man
konnte mehr oder weniger nur noch skaten und es kamen ganz schön die Steine
durch und außerdem wurde es ziemlich eisig, doch dann kam endlich der schon
lang ersehnte Schnee und man konnte bei hervorragenden Bedingungen trainieren.
Der Hobbylangläufer kam auch immer besser in die Gänge und fühlte sich am
Schluss sehr wohl, lief mal ein paar Runden den russischen Biathletinnen
hinterher, die es natürlich auch nicht so eilig hatten oder drehte mal eine
halbe Runde hinter dem klassisch laufenden Bjørndalen. Öfters traf man Läufer
von anderen Skiclubs mit denen man dann im passenden Tempo ein paar Runden
drehen konnte. Auf jeden Fall war am Schluss der Hobbylangläufer der Meinung
dass er im Sommer aus seinen relativ wenigen Trainingsstunden das beste
herausgeholt hat. Der Winter kann kommen. Nicht nur die Nachwuchslangläuferin,
sondern auch der Hobbylangläufer kam also voll auf seine Kosten. Nun hofft
Hobbylangläufer an einigen Volkslangläufen eine gute Leistung zu bringen.