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Birkebeiner-Rennet 2004 (54 km klassisch)

20.03.2004

„Drittvær“ (Dreckwetter), wie die Norweger sagen. In der Nacht hat es ein wenig geschneit und in der Früh war es in Lillehammer noch eher Schnee, in Rena dann eher Schneeregen. Es waren die gefürchteten 0°-Temperaturen, sozusagen das Traumwetter für jeden „Klassisch-Läufer“. Die Wahrscheinlichkeit dass man das richtige Steigwachs erwischt ist eher gering. Während des Rennens hatten wir z.T. Schneeregen, Schnee, Wind und schlechte Sicht.

Streckenprofil:

Um 4:45 Uhr begab ich mich zum Frühstück und um 5:15 Uhr sind wir (die beiden Kitzbühler, der Südtiroler, der Münchner und meine Wenigkeit) mit dem Taxi zum Bahnhof in Lillehammer gefahren. Dort ging es dann um 5:30 Uhr mit dem Bus weiter nach Rena.

Wem der Text zu lang ist, kann diese Seite runterscrollen und am Ende (nach den Bildern) befindet sich ein Bericht von dem norwegischen Journalisten Claes Tommy Herland, der ebenfalls in meiner Altersklasse gestartet ist. Außer dass ich weniger Probleme mit den Stollen unter den Ski hatte, erlebte ich den Lauf ziemlich ähnlich.

Den Start haben sie 200m nach weiter oben verlegt, weil es letzte Woche so warm war und die Loipe im eigentlichen Startbereich und sämtliche Parkplätze unter Wasser standen. Die Frage die heute alle besonders bewegte: „Welches Steigwachs?“ Wenn man sich so umsah mussten heute viele Wachse passen, denn es gab unzählige Varianten und alle möglichen Formen dieses Wachs aufzutragen. Wenig Klister, mehr Klister – auf jeden Fall abgedeckt oder vielleicht gleich ganz ohne Klister? Nur mit welchem Wachs laufen. Es wurde mit einer unglaublichen Vielfalt und viel Erfindungsgeist Wachs aufgetragen. Der Stadionsprecher sagte dass es dieses Jahr das härteste Rennen seit 30 Jahren gibt. Unten Schneeregen, oben Schneefall und stürmisch und schlechte Sicht. Wirklich tolle Aussichten. Ich wartete sehr lange, bevor ich mich für ein Steigwachs entschied.
Meine Wahl sah dann am Schluss so aus:
Rode K20 – Blue Klister (1 Schicht, ganz dünn)
Start Spezial Klister (+2° bis -2° für 0°-Bedingungen (1 Schicht, ganz dünn)
Swix VR55 silber/violett Hartwachs (1 Schicht, abgedeckt)

Dann ging es ab in die Einlaufzone. Der Ski passt einigermaßen. Vielen eist der Ski, aber ich kann nicht klagen. Dann noch schnell das Gepäck zum Rücktransport abgeben, Klogang, 3,5 kg Rucksack bereit gemacht, auf den Buckel und ab zum Start. Die gelbe Startnummer (2. Startreihe) nutzte mir relativ wenig. Da der Start nach weiter oben verschoben wurde gab es keine Abgrenzung. Es galt also, wer vorne beim Einlass stand und dann am schnellsten vom Einlass in das Startfeld rannte hatte die besten Startplätze. Ich glaube dass ich gar nicht so schlecht stand. Da mir ein Norweger erzählt hat man solle am besten das Tempo von Frauen, das einem halbwegs passt, aufnehmen, weil diese es schaffen viel gleichmäßiger zu laufen wie Männer. Ich befolgte natürlich diesen Rat und stellte mich schon einmal hinter ein paar sehr hübschen Frauen an. Der Norweger meinte dann auch, wenn es einem nicht so gut läuft, hat man wenigstens etwas für das Auge *rolleyes*.

Um 10 Uhr erfolgte dann auch der Startschuss der Alterklasse M/K 30 (30-34 Jahre). Ich bin ja normalerweise ein „Heissblüter“ am Start und lasse mich gerne von der Geschwindigkeit treiben, aber das wollte ich heute unbedingt vermeiden. So Überholmanöver kosten nur unnötig Kraft, die man später viel besser brauchen kann. Also nur nicht stressen lassen. Ich ging es ganz gemächlich an und obwohl ich teilweise schon ungeduldig war blieb ich immer in der Spur hinter einer endlos langen Gruppe. Bin glaub noch nie ein Langlaufrennen so langsam angegangen. Die Spuren waren durch die Wetterbedingungen auch nicht mehr die besten. Da wusste ich aber noch nicht was uns erwarten würde. Ich weiß aber natürlich auch, dass ich durch meinen Trainingsrückstand durch die beiden Krankheiten im Winter, nicht so schnell angehen darf, da es mir hinten hinaus vermutlich sowieso ein wenig fehlen wird. Irgendwie fand ich es dann auch recht gemütlich nur hinterher zu laufen. Man musste nur aufpassen dass man seinem Vordermann bzw. Vorderfrau nicht zu viel auf die Skienden trat. Nach 50:29 (373. Rang) kam ich zur ersten Zwischenzeit in Skramstadsætra. Ich war eigentlich überrascht dass ich schon da war und nicht viel langsamer war wie im Vorjahr, da es mir viel langsamer vorkam. Jetzt wird der Schnee langsam trockener, nur die Spuren sind ein wenig glasig. Mein Ski ist eigentlich zu glatt, aber da es nach Skramstadsætra ein wenig flacher ist wird sehr viel Doppelstock geschoben. Lange laufe ich hinter einer Frau, doch irgendwo auf dem Weg zum Dølfjell verliere ich sie dann. Wenn ich mich richtig erinnere ist sie vor mir am „Kratzen“.

Was mich jetzt erwarten wird das habe ich noch nie erlebt. Der Schnee wird immer trockener und man sieht immer mehr Läufer am Rand stehen, die versuchen ihren Klister abzukratzen, oder versuchen ihre Ski umzuwachsen. Langsam aber sicher werde auch ich besorgt, da es bei mir ebenfalls beginnt zu stollen. Ich streife die Ski übereinander ab und versuche auch an den etwas steileren Anstiegen immer in der Spur, die man immer weniger sieht, zu halten und immer schön gleiten, damit keine neuen Stollen entstehen. Hier haben in diesem Jahr schon sehr viele Läufer aufgegeben. Ich hoffe darauf dass ich über das Dølfjell komme ohne Nachwachsen zu müssen. Es ist nicht mehr so weit, es wird aber immer kritischer. Ich schaffe es gerade so drüber zu kommen und freue mich eigentlich auf die Abfahrt hinunter nach Dambua. Ich dachte mir, jetzt kann man sich ein wenig erholen. Es war mehr oder weniger keine Spur mehr vorhanden und es war glasig und glatt und teilweise waren schon einige Löcher in der Spur. Die Sicht war ja sowieso nicht so gut und man musste wahnsinnig aufpassen, dass man nicht ausrutschte und einen Sturz baute. Außerdem waren sehr viele Läufer in der Trasse, um die man z.T. auch erst mal herumfahren musste. Man fuhr eigentlich mehr nach dem Motto ab: „Wer fällt nicht hin?!“

Dann geht es über das Raufjell und mir ist es eigentlich noch nie so „flach“ vorgekommen. Selbst ich habe sehr viel im Doppelstock geschoben, aber meine Ski waren auch ein wenig zu glatt. Trotzdem fand ich ihn nicht besonders schnell. Es kann aber auch daran liegen dass z.T. immer wieder Schnee in die Spuren geweht wurde. Obwohl man hier eigentlich genügend Platz hätte, wurden vielleicht zwei bis drei Spuren wirklich genützt. Die anderen blieben verweht. Es ist hier ja ein ziemlich offenes „Fjellgelände“. Es war z.T. gar nicht so einfach an langsameren Läufern vorbeizukommen, wenn man nicht in eine zugeschneite Spur hinaus wollte. Mir kam es bei den vorigen Läufen noch nie so überfüllt vor. Die Schlange schien unendlich und voll mit Läufern zu sein. Das beeindruckenste waren allerdings die Läufer die am Rand standen und versuchten ihre Skier nachzuwachsen bzw. den Klister von ihren Skiern abkratzten. Manche versuchten es sogar an den wenigen Bäumen die hier herum standen.

Eigentlich würde man ja denken, dass man im Doppelstock nicht unbedingt die beste Spur braucht, da sie allerdings durch die Wetterverhältnisse und die vielen Läufer die bereits vor mir auf die Strecke gingen (wohl an die 8000) mehr wie ausgelaufen waren und sehr glatt dazu noch, hatte man die größten Probleme sich auf den Beinen zu halten. Manche Läufer fielen auf fast ebenen Strecken ohne jede Vorwarnung hin, weil sie ausrutschten. Es ist mehr ein „dahinstürfeln“ wie ein langlaufen. Es wird viel geflucht und während dem Lauf habe ich erfahren wie Norweger fluchen. Man lernt während so einem Lauf durchaus auch die Sprache ;-)

Noch nicht einmal die Hälfte des Rennens ist vorbei und ich war schon Ewigkeiten auf dem Weg. Auf eine Zeit kam es den meisten hier schon nicht mehr an. Es war schon klar dass ich länger wie im Vorjahr brauchen würde. Ich war überhaupt gespannt wie ich es bei diesen schwierigen Verhältnissen in das Ziel schaffen soll? Eigentlich bin ich ja ein Schlechtwetterläufer, aber mir kamen inzwischen langsam Zweifel auf. Am höchsten Punkt vom Raufjell war ich wohl auch ein wenig angeschlagen und daher blieb ich mal stehen und packte aus meinem Rucksack ein Gel aus und nahm es mit viel Flüssigkeit zu mir. Danach ging es wieder besser, es kamen aber bald die Abfahrten nach Kvarstaddammen. Normalerweise ja eine schöne Sache auf die man sich freut, es war aber schon wieder eine Aktion: „Wie kann ich mich auf den Beinen halten?“. Durch das ständige "pflugen" und in der Spur hin und her rutschen und dem Slalom-Fahren durch Läufer bekomme ich einen leichten Krampf im rechten Oberschenkel. Zum Glück ist er nicht so schlimm und es ist im Moment ja sowieso mehr Doppelstock angesagt. Aber es ist trotzdem hart.

Nach 02:34:26 (317. Rang) bin ich in Kvarstaddammen. Über 16 Minuten langsamer wie im Vorjahr, was mich aber eigentlich nicht besonders wundert. Die Zeit hat mich hier sowieso schon nicht mehr interessiert. Mehr interessiert mich die Verpflegungsstation, wo ich mir auch viel Zeit nehme. Jetzt beginnt ja eigentlich erst das Rennen. Hinauf auf das Midtfjell. Nur nicht den Fehler machen wie letztes Jahr und sich von den langsameren Läufern „einlullen“ lassen, da es hier schwer geht. Ich versuche zu kämpfen, was mir dann auch ganz gut gelingt. Ich glaube dann aber, dass es mir doch zu glatt ist und da sich die ersten Krämpfe in den Armen bemerkbar machen, beschließe ich stehen zu bleiben, um etwas Wachs nachzutragen. Es stehen überall Läufer am Rand am Nachwachsen. Ich glaube kaum dass es vom Dølfjell bis zum Midtfjell einen Kilometer gegeben hat an dem keiner am Nachwachsen gestanden ist. Ich bringe zwar kaum ein Wachs auf den Ski, habe aber wenigstens eine Pause. Neben mir ist ein Norweger am Nachwachsen und meint nur: Wir „Birkebeiner“ sind alle ein wenig verrückt. Er ist bereits zum 4. mal am Umwachsen und wir fragen woher wir kommen. Ist dann witzig, weil er dann deutsch spricht und ich weiter versuche norwegisch zu sprechen. Nach einem „God Tur videre“ begeben wir uns wieder in den Wettkampf. Obwohl ich das Wachs kaum auf den Ski gebracht habe, scheint es etwas zu nützten und es geht ganz gut. Vielleicht war es aber auch nur der psychologische Effekt und die Pause. Bald bin ich dann oben auf dem Midtjfell, dem höchsten Punkt des Laufes und ich bin irgendwie recht ungläubig, dass ich schon oben bin, da es mir im Vorjahr sehr viel länger vorgekommen ist. Das Nachwachsen hätte ich mir getrost sparen können, da der Schnee immer trockener wurde und eher wieder die Gefahr zum „Stollen“ bestand. Ich freute mich recht dass ich schon da oben angekommen war und wusste dass gleich mal um das Eck die Verpflegungsstation kommt. Hier noch mal viel Zeit nehmen, weil jetzt kommt die Strecke, die bei mir wegen Krämpfen aus den Vorjahren sehr gefürchtet ist.

Ich finde eine gute Gruppe mit der es im Doppelstock in Richtung Sjusjøen ging. Obwohl ich ein paar Krämpfe in den Armen habe geht es überraschend gut vorwärts. Auch hier werden sehr wenige Spuren von den eigentlich vielen Spuren genutzt. Keiner mag in einer mit Schnee zugewehten Spur laufen. Ganz rechts laufen die langsameren und ganz links die schnelleren. Dazwischen ist gähnende Leere. Der erste Teil nach Sjusjøen wird auch von mir durchgeschoben. Ich bin überrascht, dass ich das ohne Probleme schaffe. Dann beginnen die ersten kleinen Anstiege, wo immer wieder mal eine ganz kurze Abfahrt kommt. Leider musste auch ich in einer solchen einmal auf den Boden, weil ich ausgerutscht bin. Es war gar nicht so einfach wieder aufzustehen und ich kam danach auch ein wenig aus dem Rhythmus. Kleine Krämpfe meldeten sich, aber ich war mir sicher dass ich noch bis zur nächsten Verpflegungsstation komme. Das schaffte ich dann auch ohne Mühe. 03:57:01 (346. Platz). Was für eine gewaltige Zeit. 2001 war ich da schon fast im Ziel.

Endlich hinab nach Lillehammer. Es war aber leider fast unmöglich ohne Pflug hinunter zu kommen, da einfach zu viele Läufer abfuhren und ich keinen Sturz riskieren wollte. Der „verdammte“ Pflug in den steilen Abfahrten bescherte mir leider Krämpfe und unten am Birkebeiner-Lift musste ich eine kleine Pause einlegen. Da verlor ich wohl so 2-3 Minuten. Danach muss man viel im Doppelstock arbeiten, was mir zu diesem Zeitpunkt des Rennens gerade am liebsten war, da es da am wenigsten Krämpfe gibt. Hier passte mein Ski ziemlich perfekt, sowohl beim Gleiten, wie auch bei den kleinen Anstiegen die hier noch kommen. Leider hatte ich aber nicht mehr so viel Kraft wie im Vorjahr und es ging nicht mehr so viel vorwärts. Das kam wohl vom Trainingsrückstand. Der Anstieg 2 km vor dem Ziel war zwar ziemlich hart, aber zum Glück war der Ski nicht allzu glatt. 500 m vor dem Ziel sah ich einen Läufer aus meiner Klasse, der noch etwas vor mir war. Ich war zwar echt erledigt, aber diesen wollte ich vor dem Ziel noch überholen. Ich gab alles und kam gut vorbei. In der letzten Kurve vor dem Ziel sah ich noch einen aus meiner Klasse. Im Anstieg war ich auf ihn aufgelaufen, aber auf der Zielgeraden hatte er mehr „Power“ und gewann den „wahnsinnig wichtigen“ Schlussspurt. ;-)  Mit einer Zeit 4 Stunden 51 Minuten 11 Sekunden erreichte ich in der Klasse M30 (30-34 Jahre) einen 374. Rang.

  

Den Rang erfuhr ich allerdings erst später und ich dachte mir eigentlich nur schade dass es leider nicht so gut gelaufen ist, aber nach der diesjährigen Vorbereitung auf das Rennen ist das nicht so arg. Hauptsache ich bin bei diesen harten Bedingungen, bei denen das Abfahren anstrengender war wie die Anstiege, in das Ziel gekommen. Eigentlich wollte ich noch ein paar Fotos im Zielgelände machen, aber leider machte meine Kamera keinen „Mucks“. Ich glaube, dass sie wohl während dem Lauf ein wenig nass geworden ist. Schade.

Im Zielgelände traf ich dann einen der beiden Kitzbühler, die eine halbe Stunde vor mir gestartet sind. Mit diesem bin ich dann mit den Skiern hinab zur Håkons-Hall abgefahren. Dort holte ich mein Gepäck, speiste in der Kristinshall das Essen, welches es „grattis“ gab. Dann sah ich mir in der Håkons-Hall die Ergebnisse die hier ausgehängt waren an. Ich war sehr überrascht, dass ich trotz dieser Zeit um 9 Plätze besser war wie im Vorjahr. Die Siegerzeit in unserer Altersklasse von Patrick Åserud in 3:04:49 ist mir allerdings ein Rätsel. Wie man bei solchen Bedingungen noch eine solche Zeit hinzaubern kann finde ich unglaublich. Er hatte aber auch etwas mehr wie 10 Minuten Vorsprung auf unseren 2. Morten Grøan. Mein bestes Rennen ist immer noch das erste aus dem Jahre 2001, wo ich 4 Stunden 5 Minuten und 10 Sekunden brauchte.

Ich stapfte dann noch hoch zum Ersgård-Gjestehus, duschte und ruhte mich ein wenig aus. Nach dem Abendessen lud der Südtiroler unsere Gruppe, die in der Früh gemeinsam mit dem Taxi gefahren ist,  zu einer Flasche Rotwein ein. Er meinte: „Damit wir auch gut schlafen und keine Krämpfe spüren“. Jeder hatte einiges vom Lauf zu berichten und ich hatte die schnellste Zeit von diesen paar Leuten. Lang wurde der Abend aber trotzdem nicht, da wir alle ziemlich müde waren und bald im Bett verschwanden. Dieses mal gab es Gott sei Dank keine abendliche Krämpfe, worüber ich am Meisten froh war.

Überrascht war ich bei der Analyse der Einzelzeiten. Vom Start bis nach Skramstadsætra war ich 2 Minuten 49 Sekunden langsamer wie 2003 und auf dem 373. Rang (Vorjahr 262.). Vom Gefühl her hätte ich gesagt ich war dieses Jahr viel langsamer. Von Skramstadsætra nach Kvarstaddammen brauchte ich 13 Minuten und 56 Sekunden mehr wie im Vorjahr, habe aber sehr viele Plätze gut gemacht. In Kvarstaddammen war ich auf dem 317. Rang. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass auf diesem Teilabschnitt sehr viel nachgewachst haben, denn vom Gefühl her hätte ich gesagt, dass dieser Abschnitt sehr schwer ging. Von Kvarstaddammen bis nach Sjusjøen war ich dann 2 Minuten und 23 Sekunden langsamer wie im Vorjahr, was eigentlich ja nicht viel ist, verlor aber komischerweise einige Plätze und war in Sjusjøen auf dem 346. Rang. Vom Gefühl her hätte ich eher gesagt dass ich von Skramstadsætra nach Kvarstaddammen eher keine Plätze gut gemacht habe, dafür aber eher von Kvarstaddammen nach Sjusjøen. Vom Zeitrückstand zum Vorjahr hätte das auch eher gepasst. Vielleicht habe ich beim Nachwachsen doch mehr Plätze verloren wie ich gedacht habe. Im Vorjahr war ich allerdings auch ziemlich blau, als es auf das Midtfjell und nach Sjusjøen ging. Von Sjusjøen in das Ziel verlor ich dann auf das Vorjahr 5 Minuten und 36 Sekunden und noch mal einige Plätze, worüber ich auch überhaupt nicht verwundert bin, da ich doch bei meiner „Krampfpause“ einige Zeit verlor und es auch sonst nicht ganz so rund lief. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass ich viel gleichmäßiger gelaufen bin, wie die Jahre davor. Im Nachhinein betrachtet bin ich auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis und glaube doch wieder dass ich ein „Schlechtwetterläufer“ bin. Realistisch betrachtet war mit diesem Trainingsaufwand vermutlich gar nicht so viel mehr drin. Worauf ich schon ein wenig stolz bin, ist meine Wachskunst. Ich habe nur einmal nachgewachst und mir nur ganz ein wenig Stollen eingefangen. Genau genommen hätte ich mir das Nachwachsen sparen können, aber im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer. Wenn man bedenkt, dass viele erfahrene Wachsexperten z.T. vier bis fünfmal um- bzw. nachgewachst haben, finde ich dass ich wohl einen sehr guten Ski erwischt habe!

Obwohl es das härteste Rennen war, das ich je gelaufen bin, fand ich es auch das Schönste und vor allem Erlebnisreichste. Ich glaube kaum, dass ich das Birkebeiner-Rennen das letzte Mal gelaufen bin. Ich hatte noch nie so kurz nach diesem Rennen, trotz diesen Bedingungen, wieder Lust daran teilzunehmen. Ich mag es einfach, finde die Loipe sehr abwechslungsreich, die vor allem nicht ganz einfach zu laufen ist und Lillehammer mag ich sowieso. Bei welchem Rennen muss man schon über 1.100 Höhenmeter Anstieg bewältigen und einen 3,5 kg schweren Rucksack mitschleppen?
Scheint schon wie eine kleine Liebe oder gar Sucht zu sein?

Dieses Jahr haben sehr viele aufgegeben. Insgesamt haben sich über 11.071 Läufer angemeldet, am Start waren dann 10.083 Läufer und ins Ziel kamen „nur“ 9.023 Läufer. Was mich sehr beieindruckt: Der 87-jährige Fredrik Lütken aus Oslo hat in diesem Jahr sein 60. Birkebeiner-Rennen in der Zeit von 9 Stunden 58 Minuten und 23 Sekunden vollendet! Im Vorjahr schaffte er immerhin noch eine Zeit von 7:10:10.

 

Auf dem linken Bild die Håkons-Hall und dahinter die Sprungschanzen. Rechts meine Startnummer mit Rucksack vom Lauf.

Was sagt ein norwegischer Journalist, der in meiner Altersklasse gestartet ist, zu diesem Lauf?

http://www.sporten.no/nettbirken/article914827.ece

„Kladdebirken“ von Claes Tommy Herland
aus dem norwegischen übersetzt von Stefan Heim

Dølfjellet/Raufjellet Samstag 20. März, zwischen 11 und 12 Uhr
Der „Schmier“-Birken ist im Gang.

Das Wetter war „elendig“ aber der Verkehr zum Start funktionierte hervorragend. Der Sprecher am Start sagte alle fünf Minuten, dass man Klister als Grundlage nehmen soll!
Die Teilnehmer von „NettBirken“ Claes-Tommy Herland, Erik Unaas und Jens Kristian Kopland befolgten den Rat des Sprechers und trugen verschiedene Typen von Klister auf. So musste man nur noch auf den Startschuss um 10 Uhr im Startfeld bei Kløvstadjordet warten – bei den heutigen Bingo-Wachsverhältnissen.
Es ging hervorragend hinauf nach Skramstadsætra. Keine Spur, aber genug Halt in den Anstiegen. Nach Skramstadsætra hofften wir auf eine bessere Spur, aber es war so wie wenn man in einer flachen „Slalom-Piste“ („Alpinpiste“) läuft. Es begann langsamer in der Spur zu werden und die Ski fingen an zu "stollen". So war der „Kladdebirken“ im Gang.

Langer Wurm

Hinauf auf das Dølfjell haben wir noch nie so viele Teilnehmer gesehen, die zum Wachsen stehen blieben. Es war ein langer Wurm mit Teilnehmern, mehrere hundert von uns. Viele gaben in der Gegend um das Dølfjell auf, unter anderem NettBirkens Jens Kristian Kopland, der bereits 10 „Merker“ beim Birkebeiner-Rennen geschafft hat. („Merke“ bzw. „Maks-Tid“: wer beim Rennen nicht mehr wie 25 % langsamer wie die besten fünf einer jeweiligen Klasse ist erhält ein Diplom, die sogenannte „Merke“: wer in Norwegen beim Birebeiner eine „Merke“ schafft gilt erst als richtiger Langläufer, diese zu erreichen ist nicht ganz einfach!).

Er kämpfte am Dølfjell mit den Stollen und kehrte schnurstracks zurück zum Start um sein Auto abzuholen. Ich zog mir die Skier ab, um den Klister herunterzukratzen. Das musste ich fünf weitere male machen. Hinab vom Dølfjellet haben wir noch nie so viele Läufer gesehen, die auf die „Schnauze“ fielen. Ab und zu im flachen Gelände. Langlaufskier mit Stollen in einem eisigen „Slalom“-Hang sind nicht einfach. Wir dachten uns wie das hinab von Sjusjøen werden soll.

“Kladdebirken“ kommt zurück zum Raufjell. Die Gedanken waren bei den meisten Teilnehmern wieder im Gang: Wieso haben wir zu so etwas eigentlich Lust? Ist das Langlauf? Keine Spur, keine Sicht, elende Ski! Nie mehr Birkebeiner-Rennet! Ich entschied mich dafür bei Dambua so positiv wie möglich zu denken, alle anderen haben es viel schlimmer wie ich! Die Zeit im diesjährigen Rennen wird bald vergessen, nur nach Lillehammer zu kommen war im Kopf.

Einige hundert gaben in Kvarstaddammen auf während andere die Chance nutzten ihre Ski umzuwachsen. Das half nicht besonders viel, ungefähr kein Wachs funktionierte im „Slalom“-Hang hinauf auf das Midtfjell. Der "Schmierbirken" meldete sich wieder, aber jetzt war es nicht mehr so weit in das Ziel.

Vom Midtfjell nach Sjusjøen ging es schwerfällig, aber großartig, mit einigen "Schmier"-Pausen. Hinab von Sjusjøen wurde das meist positive Erlebnis. Hier gab es tatsächlich etwas, was einer Spur glich.

Zurück am 19. März 2005

Die Zeit 5:10:33 (langsamer wie ich :-p) ist bald vergessen und ich sehe bereits dem Rennen im nächsten Jahr entgegen, am 19. März 2005. Ich glaube die meisten von uns 11.000 in diesem Jahr angemeldeten Teilnehmern werden wieder kommen. Wir bekamen in diesem Jahr vom Wettergott die schlechtesten nur vorstellbaren Bedingungen. Nur Gegenwind haben wir noch vermisst! Wir sollten lieber nicht dem Ansager am Start die Schuld in die Schuhe schieben, der uns Klister empfohlen hatte. Wir haben die eigene Verantwortung für das was wir unter die Skier "schmieren". Vielen Dank auch an alle Funktioniäre die bei diesem schlechten Wetter einen unglaublichen Einsatz leisteten. Die hatten sicherlich auch keine schönen Erlebnisse.

Während der "Halvbirken und nachwuchsbirken" am Sonntag, den 21. März stattfand, machte ich eine kurze Tour vom Birkebeiner Skistadion und 4 1/2 km hinaus auf der Birkebeinerløypa und zurück bei "Osterwetter" und "Straßenbahnschienen" (gemeint ist die Spur). Das war ein Skierlebnis, keine "Kladdebirken"-Erinnerung.

Für die norwegisch sprechenden gibt es hier noch einen Link mit vielen Berichten rund um das Rennen:
http://www.sporten.no/nettbirken/norgerundt/

weiter zum nächsten Tag

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