Musik für Salon-Orchester für den Film von Arnold Franck "Im Kampf mit dem Berg"
Anlässlich des Walser Filmgewitters im September 2000 wurde diese Filmmusik
zu dem Film aufgeführt. Beim 1. Stummfilmbegleitorchester unter der Leitung von
Andreas Winter spielte ich das Harmonium.
(Die Aufführung war am 02.09.2000 im Walserhaus in Hirschegg)
Aus dem Walser Gemeindeblatt vom Freitag, 22. September 2000
Arnold Francks alpensymphonischer Stummfilm "Im Kampf mit dem Berg" (1920)
Ein außergewöhnliches Film- und Musikerlebnis bildete den Abschluß und
zugleich Höhepunkt des 1. Walser Bergfilmfestivals: Als österreichische
Erstaufführung erklang die Originalfilmpartitur Paul Hindemiths zu dem ersten
Bergfilm aller Zeiten, "live" gespielt vom 1.
Alpinstummfilmbegleitorchester unter der Leitung von Andreas Winter. Im Jahr
1920 drehte der Filmpionier Arnold Franck ("Die weiße Hölle vom Piz
Palü") am Fuße des Theodulgletschers die ersten Bilder von der
faszinierenden Bergwelt rund ums Matterhorn in der Walser Urheimat, dem Kanton
Wallis. Bilder, die nach 77 Jahren nichts von ihrer Suggestivkraft verloren
haben und die einen der bedeutendsten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts
zu einer regelrechten "Alpensymphonie" inspirierten. Denn nichts
anderes ist diese Musik, die sehr stark von der expressionistischen Strenge
abweicht, mit der Hindemith zu Beginn der 20er Jahre als skandal-umwitterter
"Neutöner" von sich reden machte. Ihr Farbenreichtum untermalt nicht
nur, sie setzt dramaturgische Akzente, die dem dokumentarisch gehaltenen Film zu
besonderen Spannungsmomenten verhelfen. Wenn etwas der Bergführer und die
Bergsteigerin von einem Trommelwirbel begleitet von einer Anhöhe geradezu ins
Nichts zu springen scheinen, oder die erste, je auf 4500 Meter Höhe gedrehte
Filmaufnahme zu sehen ist. Die Wirkung war unvergleichlich, wuchtig und packend
und kommt ohne den aufgesetzten Pathos aus, das spätere Bergfilme in Handlung
und Begleitmusik oft aufweisen. Ohne den Farbenreichtum von Hindemiths Musik
wäre "Im Kampf mit dem Berg" ein eher statuarisches, schnittarmes
Filmdokument, für Spezialisten.
In dieser Kombination allerdings geriet die "Erstbesteigung des Lyskammes"
zu einem aufregenden Ereignis, das die Zuschauer im fast vollen Walserhaus zu
einem wahren Begeisterungssturm hinriß, der Seltenheitswert besaß. "Ein
Meilenstein fürs Walsertal", meinte eine Besucherin, die noch lange nach
der Aufführung ganz ergriffen war von den optischen und akustischen
Eindrücken. Und ein gewaltiger Kraftakt, mit dem Andreas Winter mit 16 Musikern
aus dem Oberallgäu und Walsertal diese großartige Filmmusik wieder zum Leben
erweckte. Winter der seit 1. September eine neue Aufgabe in Überlingen gefunden
hat, hätte dem Tal kein schöneres Abschiedsgeschenk machen können. Es war
keine leichte Aufgabe, die er und die Musiker mit ungeheuer viel
Einfühlungsvermögen und Musikalität absolvierten. Schließlich mußte die
Musik akkurat und präzise möglichst synchron zum Film ablaufen. Und das 60
Minuten lang. Lediglich eine kurze Pause, in der die Filmrolle gewechselt werden
mußte, war ihnen vergönnt.
Für die Laufgeschwindigkeit des Filmes von 16 Bildern pro Sekunde mußte
überdies ein spezieller Projektor bereitgestellt werden, dessen eigentümliche
Summgeräusch die "Live-Athmosphäre" des Abends noch zusätzlich
unterstrich. "Im Kampf mit dem Berg" galt jahrzehntelang als
verschollen. Erst Ende der 80er Jahre tauchte die jetzt bekannte Fassung in
einem Moskauer Filmarchiv auf, die ca. 30 Minuten kürzer ist als das Original.
Mit diesem Konzertereignis haben die Veranstalter des "Filmgewitters",
die Kulturplattform Kleinwalsertal einen herausragenden künstlerischen Akzent
gesetzt, der als krönender Abschluß des "Walser-Filmgewitters"
allen, die ihn miterlebt haben, sicherlich noch lange in Erinnerung bleibt.
Für mich persönlich war dieses Projekt eine ganz tolle Erfahrung. Erstens konnte ich hier mit fast ausschliesslich "Profi-Musiker" zusammen arbeiten. (Die einzige Ausnahme war Korbinian Kling an der Klarinette und ich am Harmonium). Die zweite Erfahrung mussten auch alle anderen Musiker zum ersten Mal mitmachen. Die Kunst mit dem Film synchron zu spielen. Hier spielt der Dirigent noch eine viel größere Rolle wie sonst. Schliesslich muss er den Film verfolgen und die Musiker so zu leiten, dass alle Einsätze genau passen!