20.01.2002 Da ich dieses Jahr relativ viel und
gut trainiert habe, wollte ich mal wieder wissen wie ich im Vergleich zu den
anderen Vorarlberger Spitzenlanglläufern stehe und habe mich daher für die
Landesmeisterschaft angemeldet. Ausgeschrieben waren eigentlich 15 km klassisch,
aber am Ende mussten wir dann nur 9 km laufen.
Um kurz vor sieben bin ich dann zunächst nach Riezlern gefahren und von dort
hat mich dann die Familie von Sabrina Schairer, die momentan einzige
Langläuferin beim SV Casino Kleinwalsertal, mitgenommen. Bei uns hat es in der
Früh ein wenig geschneit, aber bereits ab Oberstdorf hat es dann geregnet. In
Andeslbuch hat es dann zunächst auch ein wenig geregnet, war danach bedeckt und
später ist dann noch die Sonne herausgekommen.
Es war schon ein seltsames Gefühl, nach Jahren wieder einmal an einer
Landesmeisterschaft teilzunehmen. Die letzte bin ich 1991 in Gaschurn gelaufen.
Ich war sehr gespannt, wie das alles für mich laufen wird, da ich überhaupt
nicht sagen konnte wie ich im Vergleich zu den anderen Läufern liege. War
einfach zu lange vom Wettkampfgeschehen entfernt und es ist auch sehr schwer
nach einer langen Pause einigermaßen Anschluss zu finden.
Das erste was meine Augen erblickt haben, war ein wunderschöner ewig langer
knallharter Anstieg. Das sieht ja richtig gut aus, war mein erster Gedanke, aber
dann hatte ich doch Bedenken, denn der war dann doch ziemlich heftig und ich
wusste ja nicht wie gut das bei so einem kurzen Lauf geht, da man diesen Anstieg
ja Vollgas laufen sollte.
Dann ging es erst mal an das Ski testen. Mit meinem ältesten Ski hatte ich das
beste Gefühl und drum musste er dann herhalten. Noch den Klister draufschmieren
(Multiviola von Toko). Sabrina kommt mir entgegen und meint dass es ihr mit
diesem Klister zu glatt ist. Ich teste erst mal und mir passt er einwandfrei.
Auf dem langen Anstieg komme ich sehr weit ohne Grätschritt aus. Das passt auf
jeden Fall mal. Dann wird eingelaufen und nebenher die Strecke noch angeschaut.
Zwei knallharte Anstiege sind auf der 3 km Schleife und eine ziemlich heftige
Abfahrt, bei der man schon einige Mühe hatte sicher auf dem Ski stehen zu
bleiben. Ansonsten war vielleicht noch einen guten Kilometer ein relatives
Flachstück mit zwei kleineren Anstiegen. Auf jeden Fall eine Strecke die mir
ziemlich gut gefällt. Beim Einlaufen muss ich leider wieder mal feststellen,
dass die Spitzenläufer einfach noch schnellere Ski haben. Ich finde meine schon
ganz gut, doch die sind dann noch schneller. Habe eben leider keinen Sponsor,
der mich mit den "Wahnsinnspülverchen" eindeckt. Was soll`s denke ich
mir, um den Landesmeistertitel kann ich ja sowieso nicht mitlaufen, aber ich
will versuchen ein hohes Tempo durchzulaufen.
Der Start naht, also geht man in den Startbereich, wechselt ein paar Worte mit
bekannten Gesichtern aus "früheren Tagen". Aufwärmen natürlich
nicht vergessen und schon ist es so weit, der Starter zählt 5 - 4 - 3 - 2 - 1-
Start. Ich fange mit einer mittleren Geschwindigkeit an, da nach dem ersten
kleineren Anstieg gleich der brutalste kommt. Der ist sicher um die 200 m lang
und ungefähr die Hälfte davon muss man grätschen, so steil ist er. Ich habe
einen guten Rhythmus gefunden und komme eigentlich sehr gut über die Anstiege
hinweg. Die brutale Abfahrt funktioniert in der "Sicherheitshocke"
auch einwandfrei. Nur nicht verkrampfen und den Ski einfach laufen lassen, um
die Kurve wird schon nichts passieren. Wieder wird bei dem Rennen mal deutlich
dass Flachstücke meine große Schwäche sind. Christian Baldauf, der eine
Minute hinter mir gestartet ist, überholt mich in dem Teil und schiebt wie ein
blöder und da sehe ich daneben sehr alt aus. Ein Blick zurück und ich sehe
auch schon Harald Strohmaier, der 30 sec. hinter mir gestartet ist
näher kommen. Irgendwie rette ich mich über das Flachstück und endlich geht
es wieder aufwärts. Zunächst ein mittlerer Anstieg, dann eine kleine Abfahrt,
dann nochmals ein etwas steilerer Anstieg wie der davor, eine ganz kurze
Abfahrt, über die Straße und wieder hinein in den Megaanstieg.
Hier hinauf läuft es einfach und es stehen einige Zuschauer mit Glocken da, die
einen lautstark anfeuern. Das motiviert unheimlich, aber am höchsten Punkt
bekomme ich fast keine Luft mehr und die Beine werden schwer, so heftig sind die
Anstiege. Aber es geht ja jetzt "saumässig" bergab. Nur keinen
Konzentrationsfehler, weil ein Sturz würde unendlich viel Zeit kosten. Die
Kurve unten ist schon ziemlich ausgelaufen und es wird schon schwieriger sich in
diesem Höllentempo auf den Füssen zu halten. Harald hinter mir hat im Anstieg
wieder einige Zeit auf mich verloren. Tja dann kam wieder diese schreckliche
Ebene und Harald kommt wieder bedrohlich nahe, aber schon nicht mehr ganz so nah
wie in der ersten Runde. Mein Rhythmus passt jetzt sehr gut und ich kann immer
noch ein hohes Tempo (für meine Verhältnisse) gehen. Auf geht`s in die letzte
Rund und auch zum dritten Mal komme ich die Aufstiege verdammt gut hoch. Oben
bekommt man zwar fast keine Luft mehr, aber ich hatte nie Probleme im Anstieg.
Harald hat wieder ein paar Meter verloren und dieses mal kommt er auch in der
Ebene nicht mehr näher. Dafür können mich noch vor dem Ziel Bernie Berchtold
und Patrik Innerhofer aus der Allgemeinen Klasse überholen. Mit denen hätte
ich eigentlich viel früher gerechnet. Ich hole noch das letzte aus mir heraus.
Am Ende komme ich auf den 5. Rang in der Klasse AK I. Harald ist am Ende 11
Sekunden vor mir, meinte aber dass er ein verdammt schnellen Ski gehabt hätte
und in den Anstiegen ohne Chance gewesen wäre. Für mich persönlich war der
Lauf ein toller Erfolg, da mir auf den 2. Rang nur 1 Minute fehlte und mit einem
wirklichen Spitzenmaterial ausgerüstet, wäre so ein Rang durchaus realistisch.
Auf Christian Baldauf (König-Ludwig-Lauf Sieger 2001 - 8. beim Vasa-Loppet
2000) fehlt allerdings schon noch ganz schön viel. Er wurde auch überlegen
Landesmeister. Er war fast 2 Minuten schneller wie der zweitschnellste Patrik
Innerhofer.
Sabrina Schairer wurde 2. bei den Juniorinnen und hatte auch die zweitschnellste Zeit überhaupt bei den Damen. Sie wurde somit Vorarlberger Vize-Landesmeisterin und war nur 6,2 Sekunden langsamer wie die Landesmeisterin Kathrin Wohlgenannt. Bravo Sabrina !!!