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Birkebeiner-Rennet 2008 (54 km klassisch)

11.- 16.03.2006

Bereits zum fünften Mal fuhr ich zu dem bekanntesten Langlaufrennen in Norwegen, dem Birkebeinerrennen. Dieses Mal wollte ich genügend Zeit zur Akklimatisierung haben und flog bereits am Dienstag von München nach Oslo und dann ging es mit dem Zug weiter nach Lillehammer, wo ich wie üblich im Ersgård-Gjestehus mein Quartier nahm. Ein wenig war es wie heimkommen, denn es war alles vertraut und ich wurde schon vom Chef des Hauses erwartet.

    
Ersgård-Gjestehus mit Nebengebäuden

Die nächsten beiden Tage testete ich dann rund um das Birkebeiner-Skistadion und auf der Inga-Låmi-Loipe meine Ski und die Verhältnisse. Am Abend wurden dann große Diskussionen über das optimale Wachs und den idealen Ski geführt. Da es oben im Fjell Hartwachsbedingungen und unten Klisterbedingungen hatte wurde von vielen ein NoWax-Ski und von einigen Norwegern ein aufgerauhter Ski in Erwägung gezogen. Dieses Jahr machte ich mir irgendwie überhaupt keine großen Gedanken und warf in die ganze Diskussion nur ein, dass man sich nicht zu groß „verkopfen“ soll. Am Freitag bei der Startnummernausgabe und auf dem Sportartikelmarkt in der Håkons-Hall konnte man dann die gleichen Diskussionen weiterverfolgen. Manche Läufer kauften den halben Markt mit allen möglichen und unmöglichen Wachsen auf. Irgendwo gehören diese Diskussionen auch zum Flair von einem Worldoppet-Lauf. Seit mein Norwegisch immer besser funktioniert ist es viel spannender, denn man bekommt eben auch fast alles mit. Beim Abendessen wurde denn unter den Läufern verhandelt wer mit wem und wann mit dem Taxi runter zum Bahnhof fährt. Ich konnte dann mit einem Norweger mit, musste dafür aber eine halbe Stunde früher aufstehen.

   
Inga-Låmi-Loipe

Um 3:50 Uhr läutete der Wecker und es fing der Tag an. Beim Frühstück musste ich mich etwas beeilen, damit ich pünktlich um 4:30 Uhr beim Taxi war. Ich glaube ich war in der Früh einfach zu müde um schon zu denken und so fing der Tag einfach an. Im Bahnhof wartet ich dann auf den Bus und um 5:30 Uhr ging es vom Bahnhof los in Richtung Rena. Wir hatten einen netten Busfahrer und alles war entspannt und die Fahrt verlief ereignislos. Die Verständigung mit den Norwegern in der Landessprache funktionierte hervorragend und darauf bin ich dann doch ziemlich stolz. Am Start war alles beim Alten und es wurden gerade die Spur- und Schneeverhältnisse über die Beschallungsanlage durchgegeben. Das Wetter war perfekt und es war im Moment kalt genug für Hartwachs. Was tun? Wenn der Ski bei diesem harten Rennen nicht hält ist das kein Spaß, was ich nur zu gut schon selber erfahren habe. Ich hatte zwei Varianten im Kopf und entschied mich dann für eine Schicht blauen Klister (Swix KR30), die ich mir am Wachsstand sehr dünn auf den Ski auftragen ließ. Danach schaute ich erst mal den Start der Eliteklasse an. Es ist schon schön wenn z.Bsp. Frode Estil, den ich in seiner Weltcupzeit immer sehr gemocht habe, einem die ganze Zeit über den Weg läuft. Danach deckte ich meine Ski noch mit VR55 und VR50 ab und probierte ihn in der Einlaufrunde aus. Er schien gut zu gehen und der Stieg war auch gut. So langsam wurde mir die Zeit aber knapp, denn ich musste noch aufs Klo, das Gepäck musste noch abgegeben und der Rucksack noch gewogen werden.

Das Rennen hat übrigens einen historischen Hintergrund. Vor ca. 800 Jahren wurde auf dieser Strecke der norwegische Königssohn Haakon Haakonson von den besten Skiläufern der Birkebeiner gerettet. Haakon wurde später König, beendete den Bürgerkrieg und unter ihm hatte Norwegen seine Blütezeit im Mittelalter. Aus Tradition muss jeder Läufer beim Birkebeiner einen Rucksack, welcher mindestens 3,5 kg wiegt, mitnehmen. Dieser Rucksack soll das Königskind Haakon symbolisieren.

Als ich mein Gepäck dann abgegeben habe und in meine Startreihe wollte, stellte ich fest, dass ich bei meiner Salomon-Bindung den gelben Gummi verloren habe. Die Zeit war ja sowieso schon knapp und jetzt kam ich tatsächlich in Stress. Verzweifelt suchte ich nach dem blöden Gummi oder überlegte wo ich einen Ersatzgummi herbekommen könnte. Es war nichts zu machen und irgendwann musste ich an den Start. Viel zu spät kam ich natürlich in die 9. „Startpulje“ und musste mich fast ganz hinten einreihen. Mit diesem Lauf hatte ich ja noch einiges offen und ich sah bereits meinen ganzen Lauf den Bach runter rinnen. Es blieb aber nicht viel Zeit sich düstere Gedanken zu machen, denn ca. 50 Minuten nach der Elite erfolgte unser Startschuss. Wie nicht anders zu erwarten war erst mal ein riesiger Stau und ich löste als 570. meiner Startgruppe die Zeitnahme aus. Anders wie bei uns in Mitteleuropa verläuft es am Anfang relativ diszipliniert und ich hatte trotz des großen Gedränges nie Angst dass an meinem Material irgendetwas brechen könnte. Die große Frage war jetzt nur wie ich irgendwie weiter nach vorne kommen könnte. Neben der Spur war meistens ein wenig Platz zum Überholen, doch das würde sehr viel Kraft kosten. Sehr diszipliniert ließ ich mich dieses Mal nicht zu einer Hauruck-Aktion verleiten und überholte nur, wenn es wenig Kraft kostete.

    

Bei der ersten Verpflegungsstation nach 5 km nahm ich mir bereits Zeit zum genügend trinken, denn ich wollte nicht wie bei den 4 anderen Läufen irgendwann am Streckenrand stehen und meine Krämpfe in den Beinen bearbeiten. Bei der ersten Zwischenzeit in Skramstadsætra war ich überraschenderweise mit einer Zeit von 46:48 (533. Rang M35) nur knapp zwei Minuten über der Richtzeit, die für unter 4 Stunden reichen würde. Dass meine Bindung nicht optimal ist, hatte ich bereits vergessen, denn der Ski war im Anstieg ziemlich perfekt. Weiter ging es hinauf zum Dølfjell, wo man nach 13 km bereits 560 Höhenmeter Anstieg bewältigt hat. Bei dem schönen Wetter konnte man eine Schlange von tausenden Langläufern sich kilometerweit über das Fjell ziehen sehen. Das ist wirklich einmalig und ich wusste, dass dieses Gefühl und Bild mich immer wieder zu diesem Rennen zieht. Die Spur war in einem hervorragenden Zustand, die Sonne schien und mein Körper schien zu funktionieren und ich war einfach glücklich hier zu sein. Vor allem bemerkte ich dass ich selbst in meiner schwachen Disziplin Doppelstock einen Läufer nach dem anderen überholte. Da mein Ski sehr auf Anstieg gewachst war musste ich dann bei den ersten flacheren Stücken in Richtung Raufjell etwas mehr arbeiten wie andere, doch mir war es lieber so.

Ich habe mich dann an einen „Zug“ angehängt der über das Raufjell einen Läufer nach dem anderen überholte. Auch immer mehr Läufer aus den vor uns gestarteten Startblöcken wurden überholt. Bei der ersten Abfahrt nach dem Raufjell musste ich dann allerdings die Gruppe ziehen lassen, denn meine Skier waren einen Tick langsamer. Je tiefer wir aber in Richtung Kvarstaddammen kamen, desto schneller wurde mein Material. In einer Flachpassage wollte dann auch ein Norweger wissen welches Gleitwachs ich drauf habe. Es lief alles hervorragend und in Kvarstaddammen war ich dann in einer Zeit von 02:09:21 (490. Rang M35), was eine Minute schneller war als 2001 als ich 4 Stunden und 5 Minuten brauchte. Hier war mir klar dass mein Ziel den Lauf in unter 4 Stunden zu schaffen in sehr nahe Reichweite gekommen war. Ich fühlte mich bestens gerüstet für die knackigen Anstiege hinauf zum höchsten Punkt auf das Midtfjell. Es lief auch ausgezeichnet, doch fast oben angelangt bekam ich die ersten Krämpfe in den Oberarmen. Das fand ich ziemlich ärgerlich, da man das erste Stück rüber nach Sjusjøen ziemlich viel im Doppelstock machen sollte. Es war dann zum Glück nicht so schlimm und es ging trotzdem etwas vorwärts. Manchmal musste ich zwar die Hände etwas ausschütteln, da es wieder hart wurde, aber es war alles halb so wild. In Sjusjøen kam ich dann nach 03:13:06 (470. Rang M35) an und freute mich bereits auf die schnellen Abfahrten hinunter nach Lillehammer. Vor allem war mir klar, wenn es mich nicht zerlegt, dass ich unter 4 Stunden schaffen müsste und ich keine Krämpfe in den Beinen bekommen würde.

   

Das war alles sehr motivierend und dass man als Alpenbewohner abfahren kann ist nicht sonderlich verwunderlich. Manchmal musste man leider etwas viel pflugen, da recht viele Läufer sich in den Spuren tummelten und man dann doch einen Sturz riskiert hätte. Bis zu 60 km/h auf den schmalen Latten ist dann doch auch eine Herausforderung. 7 km vor dem Ziel hatte ich dann noch mal ganz schöne Krämpfe in den Oberarmen und ich war mir nicht mehr sicher ob ich es unter 4 Stunden schaffen könnte. Ich dachte mir aber, egal was jetzt noch passiert beiss die Zähne zusammen und gib Gas. In dem Anstieg 2 km vor dem Ziel hatten dann ziemlich alle Probleme Grip zu haben, doch ich schaffte sogar den Großteil im Doppelstock. Da ich meiner persönlichen Bestzeit entgegenlief spürte ich sowieso keine Schmerzen mehr! Mit einer Zeit von 3 Stunden 51 Minuten und 17 Sekunden erreichte ich in meiner Altersklasse M35 einen 464. Rang. 54 km klassisch von Rena nach Lillehammer über das Fjell und somit 1.000 Höhenmeter im Anstieg und 800 Höhenmeter Abfahrt waren überwunden. Als 570. bin ich aus meinem Startblock 9 gestartet und mit der 19. schnellsten Zeit kam ich aus dem Startblock ins Ziel. In meiner Altersklasse war ich der 5. schnellste aus der Startgruppe.

Im Ziel war ich überglücklich und es hat heute alles gepasst. Der Ski war perfekt und mein Körper hat recht gut mitgespielt. Das obwohl ich im Februar durch eine Angina zwei Wochen überhaupt nicht trainieren konnte. Das Training davor scheint aber gepasst zu haben und danach habe ich mir zum Glück keinen Stress gemacht und mit Ruhe und ganz langsam wieder mit dem Training begonnen.

Das Rennen hat in einem spannenden Endspurt bei den Herren der Tscheche Stanislav Rezac vor dem Norweger Anders Aukland und bei den Damen die Norwegerin Hilde G. Pedersen gewonnen.

    
im Zielbereich

Beim Abendessen waren wir dann am Tisch ein buntes Gemisch aus verschiedenen Nationen (Franzosen, Italiener, Polen, Russen, Isländer, Norweger …) und es wurde in unterschiedlichen Sprachen bunt durcheinander gesprochen. Wir waren uns einig, dass das auch zu so einem Wettkampf gehört. Das ist wirklicher Sport!

Am nächsten Tag nahm ich dann etwas traurig Abschied von Lillehammer, denn das Gästehaus wird seine Pforten schließen und verkauft. Schöne Erinnerungen habe ich an den ehrbaren Gutshof oberhalb von Lillehammer. Hier habe ich mich immer sehr wohl gefühlt und habe den traumhaften Blick beim Abendessen über den See Mjøsa genossen. Viel habe ich auch sprachlich vom Chef des Hauses gelernt, der immer versuchte mir auch die Raffinessen der Sprache zu erklären. Ich wünsche der ganzen Belegschaft eine gute Zukunft und möchte mich hier noch mal für alles bedanken. Tusen takk for meg!

Im Flugzeug kam ich dann neben einer jungen Frau aus Schliersee zu sitzen, die ebenfalls am Rennen teilgenommen hatte (was ich erst später erfuhr war es die Frau von Peter Schlickenrieder, dem ARD-Langlaufexperten und Silbermedaillengewinner im Langlaufsprint bei der Olympiade in Salt-Lake-City). Wir unterhielten uns bestens und dadurch war der Flug sehr kurzweilig. Am Flughafen mussten wir dann noch eine Weile auf die Skisäcke warten, da es irgendeinen technischen Defekt gab, doch es war zum Glück das ganze Gepäck dabei. N. hat mich dann glücklicherweise abgeholt und bei ihr zuhause in München bekam ich dann noch ein köstliches Abendessen, bevor ich dann gemütlich mit dem Auto nach Hause fuhr. Vielen Dank hier an J.+N.+P. für die Unterstützung und beste Verpflegung in München!

Diese knappe Woche war ein tolles Erlebnis und vor allem das Rennen war für mich persönlich ein voller Erfolg. Schon Ende Mai wird es wieder in den hohen Norden gehen und dann werden wir zu zweit den Urlaub genießen und darauf freue ich mich schon sehr. Norwegen ist immer eine Reise wert!

weitere Bilder

Streckenprofil von meinem Forerunner 305 (mit SportTracks ausgelesen)

Auswertung von meinem Forerunner 305 (Trainings Center)


 

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