NORGE-ÜBERSICHT NORWEGEN 1998 NORWEGEN 2001 NORWEGEN 2002 NORWEGEN 2004 / Birkeb.
NORWEGEN 2004 / Trainingslager NORWEGEN 2005      

Birkebeiner-Rennet 2006 (54 km klassisch)

16.- 19.03.2006

Dieses Jahr fällt es mir irgendwie schwer den Bericht vom Rennen zu verfassen. Ich versuche es jetzt aber trotzdem einmal. Eigentlich war ich ja gar nicht so richtig in Form und das wusste ich eigentlich schon als ich mich im Herbst anmeldete. Damals war ich etwas sehr durcheinander und daher habe ich mich einfach entschlossen mich mal beim Birkebeiner anzumelden. Norwegen hat mir immer noch geholfen mein Gefühlsleben wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen. Wie gesagt das Training war nicht gerade besonders, aber ich wusste dass ich es ins Ziel schaffen würde. Blöd war nur noch die Krankheit kurz vor dem Rennen. Das hat mich dann doch ein wenig verunsichert.

Am 16. März ging es dann aber trotzdem zusammen mit B. auf den Weg. Wir fuhren nach Kempten, wo ich bei N. mein Auto lassen konnte. Gemeinsam mit noch einem Bekannten von N. ging es dann mit dem Zug nach Pasing und mit der S-Bahn zum Flughafen in München. Während der Zugfahrt hatten wir noch einen riesigen Spaß! Die Anreise war dann relativ unspektakulär. Flug München - Oslo/Gardermoen und mit dem Zug weiter nach Lillehammer. Wir quartierten uns dann im Ersgård-Gjestehus ein. Am Abend schlenderten wir dann noch ein wenig durch Lillehammer und statteten bei Peppe`s einen Besuch ab.

Beim Frühstück lernten wir dann noch ein nettes Ehepaar aus dem Schwarzwald kennen. Danach ging es wieder in die Stadt. B. hatte leider ziemliche Halsschmerzen und wir suchten mal eine Apotheke auf. Danach holte ich meine Startnummer und wir bummelten noch ein wenig herum. Irgendwie ging dann der Tag relativ schnell vorbei.

Das Rennen am 18.03.2006:

Wetter: Zunächst bedeckt, dann wurde es schön. Im Fjell war es sehr windig und es ging ein starker Föhn.

Um 4:15 klingelte der Wecker. Das ist für mich schon eine sehr unchristliche Zeit. Nützt ja nichts, anziehen und ab zum Frühstück. Um 5 Uhr ging es dann mit dem Taxi zum Bahnhof in Lillehammer und dann mit dem Bus nach Rena. Der Bus war leider gerammelt voll, so dass wir kaum Platz hatten. Ein Norweger neben mir redete ziemlich viel und ich verstand vielleicht 3/4. Für so früh am Morgen eigentlich schon recht viel. Mich hat es sowieso gewundert, dass ich trotz dass ich die letzte Zeit nie etwas gelernt habe, so viel verstanden habe.

Nach 2 Stunden waren wir dann in Rena. Ich wunderte mich noch wieso die alle so warm wachsten, obwohl der Schnee noch recht kalt war und die Schneetemperaturen ziemlich kalt angegeben waren. Ich habe dann meinen Ski ausprobiert und er war eigentlich ganz in Ordnung. Die Zeit verging eigentlich recht schnell und bald war mein Start an der Reihe.


beim Start in Rena

Um 8:52:30 erfolgte für unsere Pulje 4 dann der Startschuss. Ich blieb die ersten Kilometer hinter der Norwegerin, hinter der ich mich eingereiht hatte. Das Tempo war nicht allzu hoch und überholen hätte sowieso keinen Sinn gemacht. Für mich ist das eigentlich ganz gut, wenn es nicht zu schnell vom Start weg geht. Ich lasse mich zu gerne verleiten. Also bin ich einfach gemütlich in der Gruppe gelaufen. Nach 5 km merkte ich dann dass ich wohl doch etwas sehr spitzig gewachst habe. Die Spur wurde schon glasig, obwohl der Schnee drum herum trocken und kalt war. Da habe ich angefangen zu überlegen, ob ich nicht stehen bleibe solle und noch ein wenig nachwachsen soll. Nach 7 km nachdem ich schon genug andere gesehen habe, die am Rande der Strecke nachwuchsen, habe ich das dann auch gemacht. Dabei verlor ich genau 5 Minuten an Zeit. Dafür hatte ich aber danach ordentlich Grip und konnte die Anstiege ordentlich hoch laufen.

Trotz dass das Tempo nicht sehr hoch war und ich eigentlich einen guten Rhythmus hatte fühlte ich mich müde. Die Krankheit und die anstrengende Anreise hatte ich wohl noch nicht so besonders gut verkraftet. Die erste Zwischenzeit bei Skramstadsætra war 50:17. Ich zog  die fünf Minuten vom Nachwachsen ab und fand, dass ich eigentlich noch gar nicht so schlecht dran war. Das machte mir ein wenig Hoffnung. Auf das Dølfjell hoch lief es dann auch ganz gut. Im Anstieg war mein Ski super. Die Spur war leider mehr oder weniger vom Winde verweht.  Hoch hatte ich allerdings zwei Läufer gefunden mit denen ich ein gutes Tempo machen konnte, so dass ich nicht immer im Wind laufen musste. Wir haben uns auch brav mit der Führungsarbeit gewechselt. In den Abfahrten  merkte ich dann aber, dass ich einen „arschlahmen“ Ski hatte. Das hat mich dann schon ein wenig frustriert. Es haben mich einfach zu viele  überholt. Meine zwei Kollegen hatte ich natürlich auch aus den Augen verloren. Das hat mich da oben, als ich alleine gegen den Wind kämpfen musste schon sehr geärgert. Das nächste mal lasse ich mir die Ski von einem Norweger wachsen. In irgendeinem Geschäft. Ich habe ja ein paar Schilder in den Sportgeschäften gesehen. Ski schleifen und wachsen. Diese Gedanken gingen mir die ganze Zeit im Kopf rum. Das ist doch schon sehr frustrierend, wenn die anderen nur so an einem vorbei pfeifen. Das nächste mal ist es mir egal was das kostet. Ich habe dieses mal den norwegischen Schnee einfach ein wenig unterschätzt. Obwohl ich es ja weiß, dass man hier anders wachsen muss wie bei uns, hat es mich dieses mal erwischt.


beim Start in Rena

Bereits nach 20 km passierte etwas, was ich an diesem Lauf am meisten fürchte. Ich bekam den ersten Krampf. Obwohl ich dieses mal ganz viel Wert auf die Flüssigkeits- und Nahrungszunahme geachtet habe. Ich musste mal kurz stehen bleiben, konnte dann aber zum Glück bald weiter laufen. Die Krankheit steckte mir wohl doch noch tiefer in den Knochen wie ich gedacht habe. Ich war mir von da an nicht sicher, ob ich den Lauf vollenden kann. Wenn ich jetzt schon Krämpfe bekomme, wie soll ich da bis nach Lillehammer kommen?

Bei Kvarstaddammen könnte man aussteigen ...

Bei so einem Lauf geht mir immer sehr viel durch den Kopf, aber das ist eher privater Natur ...

Ansonsten dachte ich nur an das Überleben. Wie komme ich nach Lillehammer? An der Verpflegungsstelle in Kvarstaddammen war ich so fit, dass ich überhaupt nicht ans Aufgeben dachte. Auch wenn es schwer ging und ich zu kämpfen hatte, war mir ab hier klar, dass ich ins Ziel kommen würde. Selbst wenn ich nur mehr kriechen kann. Ich wachste nochmals nach, weil ich einfach zu müde war um mich durchzukämpfen.

Auf das Midtfjell kam ich noch einigermaßen hoch, aber nach der Verpflegungsstation auf der „Ebene“ nach Sjusjøen bekam ich derartige Krämpfe, dass ich einfach nicht mehr weiter konnte. Ich wollte eigentlich versuchen ein wenig mit „Doppelstock“ oder spazieren vorwärts zu kommen, aber es funktionierte einfach nicht. Ich musste stehen bleiben. Irgendwie kämpfte ich mich dann bis nach Sjusjøen durch und hoffte dass ich die Abfahrt trotz langsamen Ski gut meistern kann. Komischerweise hatte ich dann einen ordentlichen Ski. Es war doch ziemlich warm geworden und nun war der Ski O.K. und ich verlor kaum noch etwas. Das Doppelstock-Schieben klappte dann auch ganz gut. Mir blieb aber auch nichts anderes übrig, da ich ansonsten Krämpfe in den Beinen bekommen hätte. In den Armen hatte ich zwar auch ein paar, aber die waren nicht so dramatisch. Der letzte Anstieg 2 km vor dem Ziel machte mir dann doch noch zu schaffen, da sich wieder ein paar Krämpfe meldeten. Ich konnte aber die Zähne so zusammenbeißen, dass ich ohne ein nochmaliges stehen bleiben in das Ziel kam.

  
Während dem Wettkampf (kurz vor dem Ziel).

Die Zeit war nicht berauschend. 4 Stunden 52 Minuten und 48 Sekunden und ein 594. Rang in der Altersklasse M35. Das langsamste Ergebnis in meiner „Birkebeiner-Karriere“. 46 Minuten 38 Sekunden langsamer wie 2001, 25:21 langsamer wie 2003 und 37 Sekunden langsamer wie 2004. Ich war schon ein wenig deprimiert, aber war trotzdem froh dass ich durchgekommen bin.

Im Ziel habe ich dann B. verfehlt und bin zur Håkons-Hall mit den Ski abgefahren, habe mein Zeug gepackt und bin wieder zur Pension hoch gestiefelt. Habe mit N. telefoniert, das hat die Stimmung ein wenig gehoben. B. habe ich dann in der Pension getroffen. Sie ist auch gerade gekommen und wollte schauen, ob ich evtl. in der Pension bin. Ich habe mich dann geduscht, ein wenig rumgetrödelt und dann haben wir noch den Bericht vom Birkebeiner im NRK1 angeschaut. Dann ging es wieder in die Stadt. Wir wollten eigentlich im Bøndernets Hus norwegische Spezialitäten essen, konnten das Restaraunt trotz Karte aber irgendwie nicht finden. Nach längerem Umherirren landeten wir dann beim Chinesen. Nach dem Essen marschierten wir dann nur noch zur Pension und gingen zum Schlafen.


Beim Zieleinlauf im Birkebeiner-Skistadion/Lillehammer.

 

Wenn ich nochmals beim Birkebeiner teilnehme muss ich früher anreisen. Ich glaube die Anreise hat mehr Kraft gekostet wie ich gedacht habe. Das macht mich unheimlich müde. Ich brauche vielleicht eine Regeneration von der anstrengenden Anreise!

Als ich wieder daheim war, habe ich mich natürlich ein wenig durch die norwegischen Internet-Zeitungen gelesen. Inzwischen weiß ich wahrscheinlich wieso ich mich so müde fühlte. Dort haben sie alle von dem heftigen Föhn-Wind geschrieben. Irgendwie war es mir in Norwegen gar nicht bewusst dass das ein Föhn-Wind war, da man irgendwie nicht rechnet dass es in Norwegen Föhn gibt. Aber so im Nachhinein ist es mir völlig klar. Leider bin ich bei Föhn-Wetter sehr empfindlich, bekomme Kopfweh und fühle mich ziemlich müde. Außerdem war der Föhn auch der Verursacher für die ganzen Wachsprobleme. Aber wie ich gelesen habe nicht nur bei mir, sondern auch bei zahlreichen anderen Läufern! Die Anreise war wahrscheinlich doch nicht so schuld, wie ich zuerst geglaubt habe. Gegen Föhn hilft leider kein Mittel!

Am nächsten Tag sind wir dann schon wieder abgereist. Mit dem Zug nach Oslo/Gardermoen und per Flugzeug nach München. Wir hatten echt Glück und kamen an den S-Bahnhof und konnten direkt einsteigen. Dann kam während der ganzen Fahrt die Frage, ob wir in Pasing noch den früheren Zug erwischen. Ansonsten müssen wir noch eine Stunde warten. Um ein paar Minuten waren wir dann leider zu spät dran. Mussten wir halt eine Stunde warten. In Kempten hat uns dann N. am Bahnhof abgeholt und es ging wieder heim in das Tal.

Auch wenn das Rennen nicht so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht habe, war es wieder ein schöner Aufenthalt in Norwegen. So wie es aussieht muss ich halt wieder einmal mitlaufen. Das gibt es ja nicht, dass das erste Rennen immer noch das Beste von mir war!


Höhenprofil von meinem Garmin Forerunner 201

 


 

NORGE-ÜBERSICHT NORWEGEN 1998 NORWEGEN 2001 NORWEGEN 2002 NORWEGEN 2004 / Birkeb.
NORWEGEN 2004 / Training NORWEGEN 2005